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Wie ein Corporate FabLab bei Airbus die Innovationskultur verändert

Michael Sillus über den ProtoSpace, Innovationskultur und Disruption.

Konzerne wie Mittelständler tun sich oft schwer mit Innovationen und Erneuerungen. Das schafft Raum für neue, hungrige Angreifer aus den sprichwörtlichen Garagen. Seit dem Innovator´s Dilemma von Clayton Christensen ist das mehr als bekannt. Umso bemühter sind Konzerne und etablierte Unternehmen, schneller und besser zu lernen, Raum zum Experimentieren zu schaffen und Neues zum Fliegen zu bringen. Allen Ortens sprießen unternehmenseigene Inkubatoren, Accelerator-Programme, Innovation Spaces, Creation Center, FabLabs, Co-Working-Spaces oder Akademien aus dem Boden. Und auch das Stichwort Innovationskultur ist in aller Munde. Im August hatte ich die Gelegenheit, das Corporate FabLab von Airbus zu besuchen und Michael Sillus ein paar Fragen zum ProtoSpace zu stellen.

Mein Kontakt mit Airbus war bislang äußerst begrenzt. Ich kannte Airbus nur von Spaziergängen am gegenüberliegenden Elbufer. Natürlich war mir klar, dass Airbus ein sehr großes Unternehmen ist. Wie groß so ein Großkonzern wirklich ist, erfährt man aber erst, wenn man vor Ort ist. Mein Besuch bei Airbus begann mit einer 10-minütigen Fahrt im Bus-Shuttle zu meinem Gesprächspartner. Das Gelände entspricht einer Kleinstadt, in der mehr als 15.000 Menschen arbeiten. Und so eine Kleinstadt hat natürlich nicht nur einen Innovations-Supermarkt, sondern gleich mehrere. So betreibt Airbus hier an der Elbe den HR-Innovation-Space, das Rapid-Architecture-Lab (dort wird mit neuen Kabinen experimentiert) sowie den ProtoSpace. Alle drei liegen direkt nebeneinander. Ich bin hier mit Michael Sillus verabredet, der den ProtoSpace leitet und mir eine kleine Tour durch das Corporate FabLab gibt.

ProtoSpace Eingang Corporate FabLab Airbus

Michael, sag uns doch mal was der ProtoSpace ist und was Du hier so machst.

Der ProtoSpace ist ein Ort, an dem Mitarbeiter und Teams Prototypen entwickeln und bauen können. Teams aus unterschiedlichen Bereichen kommen hierher, um ihre Ideen als anfassbares Modell umzusetzen und zu verbessern. Teilweise sind sie über mehrere Wochen in unserem Space. Jetzt gerade war ein Team sechs Wochen hier. Teilweise wollen sie von uns nur eine Umsetzung ihrer Idee als 3D-Druck. Um diese Prototypen zu planen, ist der ProtoSpace kreativ eingerichtet. Es gibt mobile Wände, unsere Tische sind mit Whiteboard-Folie bezogen und beschreibbar. Für die Umsetzung der Prototypen haben wir hier z.B. 3D-Drucker, die mit den verschiedensten Materialien drucken können. Direkt nebenan ist das Ausbildungszentrum. Dort unterstützen uns Auszubildende an größeren Geräten wie Fräsen oder Drehbänken. Wir haben hier eine Flugzeugschale und einen kleinen Ausschnitt einer Flugzeugkabine, um die Modelle im Kontext zu sehen. Zusammen mit meinen Mitarbeitern betreiben und entwickeln wir den Space und betreuen die Teams. Wir müssen den ProtoSpace aber auch im Unternehmen bekannt machen, um noch mehr Ideen unterstützen zu können. Dafür laden wir regelmäßig zu Frühstücks- oder Abend-Events und kleinen Schulungen ein. Meistens kommt dann ein externer Experte und hält einen Vortrag oder stellt eine Methode vor.

Protospace Events

Wie ist der ProtoSpace entstanden?

Den ProtoSpace in Hamburg gibt es seit 2014. Es gibt weitere ProtoSpaces an unseren Standorten in Toulouse, Filton und Madrid. Das Schöne ist: Die ProtoSpaces haben Unterstützung von ganz oben. Unser Airbus Group CEO Tom Enders war vor einiger Zeit auf einer Reise ins Silicon Valley und hat dort die rasante Geschwindigkeit erlebt, in der neue Technologien reifen und marktfähig werden und wie schnell neue Wettbewerber agieren. Die ProtoSpaces sind eine gute Antwort auf diese Entwicklung. Bei uns in Hamburg haben sich vier Bereiche zusammengeschlossen, um den ProtoSpace möglich zu machen. Das sind die konzernübergreifende Innovationsabteilung, der Engineering-Bereich, der HR-Bereich sowie das Ausbildungszentrum. Gerade die Verbindung zum Ausbildungszentrum ist hier besonders, da junge Auszubildende direkt in die Entwicklung neuer Konzepte einbezogen werden. Zudem senkt das die Hemmschwelle für die interne Nutzung, da wir Mitarbeiter und Teams nicht an den Maschinen schulen müssen. In Hamburg haben wir zudem noch die Besonderheit, dass wir in unmittelbarer Nähe zum HR-Innovation-Lab und dem Rapid Architecture Lab sind. Zum einen inspirieren wir uns gegenseitig, und davon profitieren auch die Teams bei uns. Zum anderen haben wir den direkten Austausch und können kurzfristig Prototypen für das RAL bauen, die dann dort weiter getestet und integriert werden.

Protospace Innenansicht 1

Inwiefern gibt es Vorbilder, an denen Ihr Euch orientiert?

Eine große Inspiration waren für uns die FabLabs vom MIT. Wir sind also eine Art Corporate FabLab. Aber natürlich verfolgen wir auch, was in anderen Innovation Spaces passiert, was in der Innovations- und Makerszene diskutiert wird oder was andere Anbieter machen. Egal ob das nun das Betahaus hier in Hamburg oder Tech Shop aus Detroit ist.

>Wir verstehen uns als Corporate FabLab< sagt @MichaelSillus vom @airbus #ProtoSpace im Gespräch mit… Klick um zu Tweeten

Welche Unterstützung erhalten die Teams bei Euch noch jenseits des Raums und der Geräte?

Wir sind der Ort, an dem Neues umgesetzt und ausprobiert werden soll. Wir beschränken uns genau auf diese beiden Themen. Die Teams bringen externe Berater, Experten oder Moderatoren mit, wenn sie sie brauchen. Durch unsere Veranstaltungen bringen wir natürlich auch Leute intern ins Gespräch. Aber die Vermittlung solcher Partner sehen wir vor allem bei den Teams.

Protospace Werkhalle Corporate FabLab Airbus

Woran wird Euer Erfolg gemessen?

Es ist wichtig für uns, klar zu zeigen, welchen Impact wir hier bei Airbus und im Bereich Innovationen konkret haben und inwieweit wir Innovationsprozesse beschleunigen oder verbessern können. Wir versuchen daher zum einen zu dokumentieren, wie intensiv der Space genutzt wird und wie hoch der Output ist. Das heißt, wie viele Personen sind hier für wie viele Tage gewesen. Wie viele Modelle wurden bei uns in den letzten X Monaten gedruckt. Und besonders suchen wir nach Erfolgsgeschichten, die Mehrwert für unsere internen oder externen Kunden erzeugt haben.

Welcher Prototyp oder welche Anfrage hat bei Euch am meisten für Überraschung gesorgt?

Besonders erfreut hat uns die Anfrage, ob wir kurzfristig für einen Airline-Kunden Teile für die Kabine drucken können. Diesem Wunsch konnten wir schnell gerecht werden und so direkten Mehrwert liefern. So nah am Kunden ist man nicht immer.

Mal angenommen, wir treffen uns in fünf Jahren wieder: Der ProtoSpace ist ein voller Erfolg geworden. Wie sieht dieser Erfolg aus und wie konnte es dazu kommen?

Fünf Jahre sind eine lange Zeit… Im Jahre 2020 ist der ProtoSpace zu einem Referenzmodell für viele andere Unternehmen geworden. Es wird Spaces in fast allen Standorten geben, und die Entwicklungsprozesse haben den ProtoSpace als festen Bestandteil. Mit Hilfe der agilen Arbeitsweisen und dem schnellen Prototyping konnten die Entwicklungszeiten drastisch reduziert werden. Auch die Qualität der Lösungen hat sich verbessert, da wir es mit iterativen Entwicklungsschritte besser schaffen, den Kunden immer im Fokus zu behalten. Der Grund für diese wichtige Entwicklung liegt meiner Ansicht nach in dem sich ändernden Bewusstsein, dass schnelle Innovationen überlebensnotwendig sind. Andere Branchen und Unternehmen machen es uns vor. Und Disruption macht vor keiner Branche halt.

>Disruption macht vor keiner Branche halt. Schnelle Innovationen sind überlebensnotwendig.< sagt… Klick um zu Tweeten

Proto Space leer

Jörg Jelden

Jörg Jelden

Jörg arbeitet als Berater und Moderator in Strategie-, Innovations- und Organisations-Angelegenheiten. Er lebt in Hamburg und ist seit 2010 selbständig. Jörg hilft Führungskräften, Vorhaben mit vielen Beteiligten voranzubringen. Neben Workshops moderiert Jörg auch Events und Konferenzen wie die NEXT sowie die Think-Tanks „Agenturen der Zukunft“ und „Marketingorganisation der Zukunft“. Jörg wird regelmäßig als Keynote-Speaker gebucht. Er ist Lehrer an der Good-School und Metaplan Professional. Als Ausgleich zur Kopfarbeit macht Jörg Aikido, liest Comics oder Science-Fiction-Bücher oder verbringt Zeit mit seiner Familie.

www.bathenjelden.com
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Jörg Jelden