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Transformationsprozesse mit Generative Scribing visualisieren

GenerativeScribing Klima-Soziodrama1 Marie-Pascale Gafinen

Generative Scribing ist ein innovativer Visualisierungsansatz aus dem Kontext der Theory U. Es geht darum, die Meta-Ebenen visuell herauszuarbeiten, also die übergeordneten Muster, Stimmungen, Dynamiken und entstehenden Zukunftspotenziale sichtbar zu machen. Unser Gast Marie-Pascale Gafinen führt uns ins Generative Scribing ein und zeigt die Unterschiede zum Graphic Recording auf. Im gemeinsamen Gespräch reflektieren wir den Einsatz des Generative Scribing im Soziodrama und in der Begleitung von Transformationsprozessen.

Seit ich meine ersten Soziodrama-Schritte machte und wir zugleich noch stärker in die Begleitung von Transformationsprozessen eintauchten, beschäftigt mich die Frage, wie man die erfahrungs- und erlebnisorientierten Aspekte der Prozessarbeit festhalten kann. Über die U.Lab-Gruppe auf Facebook war mir bekannt, dass im Theory-U-Kontext eine Form der visuellen Begleitung von Prozessarbeit entstanden war: das Generative Scribing. Über Anna-Lena Schiller von Riesenspatz lernte ich Anfang 2018 Marie-Pascale Gafinen kennen. Marie-Pascale interessierte sich damals verstärkt für Workshops und visuelle Begleitung partizipativer Gruppenprozesse. Beim gemeinsamen Mittagessen entstand der Gedanke, doch mal etwas gemeinsam zu machen. Im Sommer 2018 haben wir dann erstmals gemeinsam in einer komplementären Ko-Moderation gearbeitet. Marie-Pascale visualisierte mein Soziodrama mit dem Team des Betahaus Hamburg. Inzwischen hat Marie-Pascale sich intensiv mit dem Generative Scribing beschäftigt. Wir haben in diesem Jahr drei Mal Soziodrama mit dem Generative Scribing verbinden können. Zwei Mal bei unseren Soziodramen zu „Organisationen in der Klimakatastrophe“ und einmal auf der Lernreise “When Worlds Collide” im Rahmen der NEXT-Konferenz zum Thema Parallelwelten.

GenerativeScribing Klima-Soziodrama2 Marie-Pascale Gafinen Jörg Jelden

Marie-Pascale, stell dich doch mal kurz vor. Wer bist Du? Was machst Du so? 

Ich bin Illustratorin für visuelle Nachhaltigkeitskommunikation. Das heißt ich unterstütze mit meiner Arbeit diejenigen, die aktiv auf eine ökologisch und sozial nachhaltigere Zukunft hinarbeiten. Ich setze deren Message in Bilder um. Je nach Bedarf kann dabei eine Erklärgrafik rauskommen, oder ich zeichne direkt live bei Veranstaltungen in Form eines Graphic Recordings. Das heißt ich höre zu, fasse das Gesagte zusammen und halte es in Worten und Bildern großformatig fest. Ich habe mich für diesen ganz klaren thematischen Fokus entschieden, weil ich meine Fähigkeiten nicht mehr Unternehmen zur Verfügung stellen wollte, hinter deren Werten ich nicht stehe. Ja, und seit etwa einem Jahr beschäftige ich mich auch mit Generative Scribing.

Was ist denn dieses Generative Scribing?

Die Begriffe ‘Graphic Recording’ und ‘Scribing’ bedeuten grundsätzlich erst mal das gleiche. Tendenziell würde ich sagen ist der Begriff Scribing etwas näher dran am Ursprung des Graphic Recordings, nämlich die zeichnerische Unterstützung eines Gesprächs. Es entsteht also schon währenddessen eine Wechselwirkung zwischen Gruppe und Scribing. Die Gruppe sieht ein Abbild ihrer Diskussion entstehen und bekommt dadurch einen besseren Überblick und neue Perspektiven, die direkt wieder einfließen. Zumindest in Deutschland denken viele beim  Begriff ‘Graphic Recording’ ja eher an die Begleitung von Keynotes bei Konferenzen, und da passiert natürlich nicht mehr soviel Interaktion zwischen SprecherIn und Bild.

Marie-Pascale Gafinen Graphic Recording Digitalisierung
Graphic Recording für den VHS Landesverband Schleswig-Holstein, via Riesenspatz
Marie-Pascale Gafinen Graphic Recording Gleichstellung
Graphic Recording für die Stadt Münster, via Riesenspatz
Marie-Pascale Gafinen - Graphic Recording
Graphic Recording für Baltic Clean Technology, via Riesenspatz

Generative Scribing ist nun eine Form des Scribings, die sich durch eine andere Art des Zuhörens unterscheidet. Du hast eben ja schon die Theory U erwähnt. Otto Scharmer beschreibt in seinem Buch „The Essentials of Theory U – Core Principles and Applications“ ja die vier Ebenen des Zuhörens: Downloading, Factual Listening, Empathic Listening und Generative Listening. Und Generative Scribing bezieht auch die letzten beiden mit ein.

Theory U 4 Levels of Listening

Aber ein Generative Scribing sieht auch anders aus als ein Graphic Recording.

Ja. Das andere Zuhören führt zu anderen Ergebnissen. Beim Graphic Recording bleibe ich näher dran am Gesagten und setze es in vielen kleinen Bildern und Icons um. Beim Generative Scribing höre ich quasi auf einer Metaebene zu und visualisiere die Dynamiken, Energien, Gefühle und Entwicklungen des partizipativen Prozesses. Ich fasse viele einzelne Äußerungen, die ein Muster ergeben, eher in einem größeren Bild zusammen und da wähle ich dann oft auch abstrakte Darstellungen, um eben dem Verschiedenen gerecht zu werden, das darin steckt.

Marie-Pascale Gafinen - Graphic-Recording Digitalisierung
Generative Scribing für die Gesamtschule Bremen Mitte, via Riesenspatz
GenerativeScribing Klima-Soziodrama
Generative Scribing für das 1. Soziodrama zu „Organisationen in der Klimakatastrophe“

Erzähl doch noch etwas mehr zu den Haltungen und Vorgehensweisen des Generative Scribing und den Unterschieden zum Graphic Recording?

Wenn ich für ein Graphic Recording angefragt werde, dann geht es dem Kunden meist darum, wichtige Kernpunkte eines Vortrags oder einer Diskussion zu visualisieren. Es geht dann also hauptsächlich um das Zuhören und visuelle Wiedergeben auf der Sachebene, also Level 1 und 2. Als Graphic Recorderin habe ich persönlich diese Art der Wiedergabe oft als frustrierend erlebt. Ja, ich hatte am Ende des Tages alle wichtigen Fakten zu Papier gebracht und ein ansehnliches Bild produziert. Aber es kam mir schal vor, weil ich nicht zu einer tieferen Bedeutung vorgedrungen war. Das Bild gibt dann vor allem das wieder, was alle wiedererkennen, die da waren. Es dient also vorrangig als Workshop-Dokumentation. Als eine solche “Erinnerungsstütze” soll es keine neuen oder tiefergehenden Erkenntnisse liefern.

Auf der anderen Seite empfing ich die ganze Zeit Signale „auf einem anderen Sender“. Das können relativ offensichtliche Dinge sein wie der Ton, in dem jemand spricht, oder eine Person, die sehr viel redet, während andere gar nichts sagen. Manchmal sind es aber auch subtile Dinge, die ich als stark und ergreifend empfinde: Die Art und Weise, wie ein Teilnehmer betreten zur Seite schaut, wenn seine Kollegin spricht. Eine Sprechpause, die einige Sekunden länger dauert als gewohnt. Bis hin zu einer plötzliche Veränderung des Lichts, weil draußen der Himmel aufklart. All diese Dinge empfand ich als „Störsignale“, Dinge die mich vom „eigentlichen Inhalt“ ablenken. Ich habe lange gedacht, dass es eine persönliche Schwäche von mir ist, mich nicht genug auf die Sachebene fokussieren zu können.

GenerativeScribing Soziodrama NEXT19

Auf der Suche nach einer tiefgreifenderen Art der Visual Facilitation lernte ich im Frühjahr 2018 Antares Reisky  kennen, die mit einigen KollegInnen das U.lab in Hamburg organisiert. Sie machte mich auf die Arbeit von Kelvy Bird aufmerksam, die aufbauend auf Otto Scharmers Arbeiten zur Theory U eine neue Art des Scribings beschrieben hat, das Generative Scribing. Von beiden hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts gehört.

Bei der Lektüre von Kelvy Birds Buch “Generative Scribing: A Social Art of the 21st Century” fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das Unausgesprochene wahrzunehmen, ist nicht meine persönliche Schwäche, sondern im Gegenteil eine hilfreiche Fähigkeit. Es abzubilden, kann unter bestimmten Umständen sogar den Schlüssel zur Lösung oder Weiterentwicklung einer Situation bedeuten. Emotionen, Spannungen und Widerstände werden explizit und können dadurch von der Gruppe bearbeitet werden. Denn das Unausgesprochene ist genauso relevant wie das Ausgesprochene.  

Kelvy beschreibt in Ihrem Buch analog zu den Stufen des Zuhörens folgende Stufen des Scribings: Mirror, Differentiate, Connect und Surface.

Generative Scribing 4 Levels of Scribing
Quelle: Kelvy Bird, 4 Levels of Scribing

Während ich beim Graphic Recording also auf der Sachebene dokumentiere, stehen beim Generative Scribing die Dynamiken und Emotionen innerhalb der Gruppe im Vordergrund. Level 1 und 2 werden durch Level 3 und 4 ergänzt. Der Ansatz eignet sich daher besonders für Formate, bei denen die Teilnehmenden in einen tiefergehenden Austausch miteinander gehen, um gemeinsam Veränderungen zu wagen.

Ich höre dann auch „zwischen den Zeilen” zu, mit großer Offenheit und Empathie. Ziel ist es, nicht nur das abzubilden, was bereits ist, sondern auch das an die Oberfläche zu bringen, was aus der Gruppe entstehen will: ihre Möglichkeiten für die Zukunft.

GenerativeScribing Marie-Pascale Gafinen

Dieses Emergenz-Konzept finde ich auch total spannend an Theory U. Die Teilnehmer so aufeinander zuzuführen, zu öffnen und sich begegnen zu lassen, dass sich neu entstehende Zukünfte zeigen und ein Momentum erhalten. Und je intensiver die gemeinsamen Erfahrungen der Teilnehmer werden, desto mehr Neues kann entstehen. Das fasziniert mich auch am Soziodrama immer wieder.

Ja, aber ich merke auch, wie schwierig es ist, diese Art von Erlebnis überhaupt mit Worten zu beschreiben! Im Dezember 2018 hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen einer Masterclass mit Kelvy Bird bei bikablo ins Generative Scribing einzutauchen.

Dabei wurde sehr schnell klar, Generative Scribing ist mehr als eine Technik, die man Schritt für Schritt abarbeitet. Es hat viel auch mit der eigenen Haltung zu tun. Um auf einem generativen Level zu scriben, muss ich mich in einen Zustand totaler Präsenz und großer Offenheit versetzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand sich fürs Scribing in diese Haltung versetzen kann, ohne auch im restlichen Leben an dieser Offenheit (open mind, open heart, open will) zu arbeiten. Im Gespräch über den Kurs habe ich dann von einigen Leuten Dinge gehört wie: „Das klingt eher wie ein Selbsterfahrungskurs, als dass man da wirklich was für den Job mitnimmt“. Und da ist schon was Wahres dran: Wir können nicht offen sein für das, was in der Gruppe passiert, wenn wir uns selbst nicht spüren können. Von daher erfordert Generative Scribing, sich zu erden und bei sich selbst anzukommen. Das bedeutet manchmal auch, sich Dinge in sich selbst anzuschauen, die man bisher vielleicht nicht sehen wollte. Aus diesem Grund ist es – glaube ich – kaum möglich den Kurs zu durchlaufen, ohne eine Transformation durchzumachen und die eigene Perspektive zu ändern. Wie das die eigene Arbeit beeinflusst und ob man diese neue Perspektive in Kundenprojekte einfließen lässt, bleibt jedem selbst überlassen.

GenerativeScribing Soziodrama NEXT19

Inwiefern hat es Dich transformiert?

Ob man Generative Scribing im Job einsetzen kann, hängt sehr davon ab, in welchen Settings man normalerweise im Einsatz ist. Für mich stand am Ende der Masterclass der Wunsch, mehr in solchen Konstellationen zu arbeiten, in denen ich mit der generativen Arbeit etwas beitragen kann. Ich sehe hier mein größtes Potential und empfinde diese Arbeit als zutiefst sinnstiftend. Mit Euren beiden Soziodramen zur Klimakrise boten sich dafür gute Gelegenheiten.

Was für Settings meinst Du genau?

Tatsächlich ist es so, dass Generative Scribing sich nicht in jedem Setting anwenden lässt und auch nicht in jedem Setting sinnvoll ist. Jede der vier oben beschriebenen Formen des Scribings hat ihre Berechtigung und ihren Sinn. Bei einem Abend mit Kurzvorstellungen von verschiedenen Projekten oder Themen wird beispielsweise nicht mehr als Level 1 – Mirroring möglich sein. Da stelle ich einfach nur die wichtigsten Eckdaten dar, und dann ist auch schon der nächste dran. Es braucht also genügend Zeit, die Dinge auf sich wirken zu lassen.

So eine reine Vortragsveranstaltung würde ich jetzt aber sowieso nicht als Rahmen für Generatives Arbeiten sehen, denn es findet ja kein Austausch statt. Es braucht aber solche Diskussionen oder Arbeitsphasen, wo die Teilnehmenden in den gemeinsamen Austausch gehen. Und dann muss auch der Wille und die Offenheit da sein, etwas Neues entstehen zu lassen. Die sogenannten “Workshop-Sessions” auf Tagungen sind ja oftmals auch nur Frontalpräsentationen mit fünf Minuten für Verständnisfragen am Schluss. Und was man auch nicht vergessen darf: Der Rahmen muss auch offen sein für so einen Ansatz, in dem es nicht nur um den Austausch von Fakten geht. Es muss Platz sein für die Emotionen der Beteiligten. Ansonsten arbeite ich mit dem Bild ja an etwas, was da eigentlich gar nicht sein darf. Und das kann dann wahrscheinlich auch nicht seine Wirkung entfalten. 

GenerativeScribing Marie-Pascale Gafinen

Besonders interessant wird es auch dann, wenn Themen nicht nur im Gespräch erarbeitet werden, sondern über andere Aktivitäten reflektiert werden. Zum Beispiel hatte ich mal eine Gruppe von LehrerInnen, die sind in den Seilgarten klettern gegangen und haben dann anhand dieser Erfahrung im Anschluss über das Thema Heterogenität diskutiert. Ich hatte den Eindruck, dass Generative Scribing gerade bei solchen Prozessen mehr Möglichkeiten bietet als andere Formen der Dokumentation.

Ich möchte aber auch nochmal betonen, dass ich Generative Scribing nicht als die neue, bessere Version von Graphic Recording sehe. Es sind einfach zwei Ansätze mit unterschiedlicher Zielsetzung, und beide bieten einen Mehrwert. Im Grunde genommen ist es auch nicht möglich, da eine scharfe Trennlinie zu ziehen. Man kann als Scribe immer nur mit der Gruppe gehen, und dabei bewegt man sich fließend zwischen den verschiedenen Ebenen des Zuhörens. Auch bei einer Keynote kann ein generativer Moment entstehen und den festzuhalten hängt selbstverständlich nicht vom Label “Generative Scribing” oder einer bestimmten Ästhetik ab.

Genau diese unterschiedlichen Settings kenne ich vom Soziodrama auch. Als Moderator, der vor der Gruppe steht, habe ich natürlich auch ein wenig die  Möglichkeiten, so ein Setting zu schaffen. Wir bauen in “normale” Workshops inzwischen häufig soziodramatische Sessions ein. Und häufig sind genau das die kritischen Momente im Workshop, in denen spannende Erkenntnisse entstehen und die Offenheit zu neuem Denken und Handeln entsteht. 

GenerativeScribing Klima-Soziodrama1 Marie-Pascale Gafinen

Als Prozessbegleiter interessiere ich mich immer auch für die Theory of Change. Also, was gibt es für Überlegungen, wie die Arbeit wirken und sich Veränderungen vollziehen sollen. Wie wirkt Generative Scribing in einer Gruppe?

Aus meinen bisherigen Erfahrungen trägt Generative Scribing auf drei Arten zu Veranstaltungen wie z.B. Workshops oder Tagungen bei:

Durch die Präsenz im Raum
Zum einen wirkt das Scribing ja einfach durch seine Präsenz im Raum. Es entsteht ein Bild, das die Teilnehmenden dazu anregt, ihr Gespräch zu reflektieren. Als Außenstehende fallen mir Dinge auf, die die Gruppe vielleicht gar nicht bemerkt. Durch das Scribing werden diese Dinge explizit gemacht. Die Anwesenden sehen das und bekommen neue Impulse, die dann auch ins Gespräch einfließen. Und was sie sagen geht natürlich auch wieder ins Bild ein. Es entsteht also eine Wechselwirkung zwischen Gruppe und Zeichnung, eine Art Ping-Pong. Der Prozessbegleiter muss dafür eigentlich nur darauf achten, dass das Scribing genug physischen Platz hat und für die Gruppe gut sichtbar ist. Außerdem ist es wichtig, den Scribe zu Beginn kurz vorzustellen und kurz zu erklären, was er im Laufe des Tages tun wird. Damit beugt man Irritationen vor und macht das Bild zu einem Teil des Workshops. Vor allem bei längeren Veranstaltungen stehen die Teilnehmenden auch in den Pausen vor dem Bild und lassen es auf sich wirken oder tauschen sich darüber aus. Sie gehen dann mit einer neuen Perspektive in die nächste Arbeitsphase.

Im Gespräch über das Bild
Anhand meiner Visualisierung können die Teilnehmenden die gemeinsamen Erfahrungen Revue passieren lassen und zusammen reflektieren. Ich nehme Generative Scribing auch deshalb als eine gute Kombination zum Soziodrama wahr, weil es eine außenstehende beobachtende Instanz bietet. Die Teilnehmenden tauchen komplett in das Spiel ein und erst zum Ende der Spielphase wieder auf. Dazwischen geht es oft sehr turbulent zu. Das Scribing bietet dann bei der anschließenden Reflexion die Möglichkeit, noch mal einen Überblick zu bekommen, was eigentlich alles los war.

So ein gemeinsamer Blick auf das Bild kann vom Prozessbegleiter zwischendurch oder am Ende der Veranstaltung eingebaut werden. Ich kann dann entweder anhand des Scribings selber kurz erläutern, was ich wahrgenommen habe, oder man öffnet die Runde für die Reaktionen aus der Gruppe.

GenerativeScribing Klima-Soziodrama1 Marie-Pascale Gafinen

In den beiden Soziodramen zu Organisationen in der Klimakatastrophe haben wir das Bild z.B. in die Abschlussrunde mit einbezogen. Zunächst haben die Teilnehmenden sich in Zweiergruppen ausgetauscht, was sie in der Visualisierung sehen und was sie in ihnen auslöst. In einer anschließenden großen Runde konnten nochmal alle ihre Gedanken zum Bild teilen. Es war schön zu sehen, wie jeder einen etwas anderen Blick auf das Bild hat und andere Details wichtig findet. Besonders interessant fand ich, dass viele Teilnehmende sich auch im finalen Fazit des Tages auf das Bild bezogen. Ich hatte den Eindruck, dass sich alle trotz der unterschiedlichen Sichtweisen in der Visualisierung wiedererkennen konnten.

Mitnehmen ins eigene System
Gerade erfahrungsbasierte Formate sind schwierig in Worte zufassen. Das Generative Scribing bleibt als Artefakt und erinnert nach der Veranstaltung nicht nur daran, worum es ging, sondern vor allem daran, wie sich das angefühlt hat. Genau wie ein Graphic Recording ist so ein Artefakt auch ein Bild, das man anderen zeigen und darüber in weitere Gespräche einsteigen kann. Das neu Entstandene wirkt so dann auch in andere Kontexte hinein.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für Deine Antworten und Einblicke in das Generative Scribing. Ich finde, es ist nicht nur eine tolle Ergänzung zum Soziodrama, sondern es eignet sich hervorragend zur Reflektion von Transformations- und Gruppen-Prozessen und hilft, Neues entstehen zu lassen. Ich würde das gern auch mal in einem Workshop erleben.

Marie-Pascale Gafinen

Mehr zur visuellen Nachhaltigkeitskommunikation von Marie-Pascale Gafinen auch auf Instagram, Facebook und Xing sowie auf ihrer Website.

Jörg Jelden

Jörg arbeitet als Berater und Moderator in Strategie-, Innovations- und Organisations-Angelegenheiten. Er hilft Führungskräften, Vorhaben mit vielen Beteiligten voranzubringen. Neben Workshops und Beratungsmandaten konzipiert und moderiert Jörg auch Think-Tanks und Konferenzformate. Für und mit der Good-School hat er den Digital Transformation Club konzipiert und durchgeführt. Jörg lebt in Hamburg und ist seit 2010 selbständig. Als Ausgleich zur Kopfarbeit macht er Aikido, liest Comics oder Science-Fiction-Bücher oder verbringt Zeit mit seiner Familie.

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