Methoden & Werkzeuge

Digitale Workshop-Tools? Was Pascal von mindflow empfiehlt.

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Jörg Jelden

Lesedauer 4 Minuten

Als Moderator habe ich eine Liebe für analoge Tools und haptische Materialien. Trotzdem spielen digitale Tools auch für mich eine wichtige Rolle. Von WordPress, Dropbox und Google Docs bis hin zu Office Lens oder  Time-Timer. Im Sommer 2015 habe ich weitere digitale Workshop-Tools gesucht, bin über das Workshop-Blog und dazugehörige Hamburger Startup mindflow gestolpert. Mich hat der gute Content und die schöne Bedienung sofort angesprochen. Pascal nahm auf meine E-Mail direkt Kontakt auf, Michael war auf unserem Workshop-Workshop im September. Seither sind wir im regen Austausch. Auch wenn ich bisher noch keine Gelegenheit hatte, mindflow selbst einzusetzen. Aber das ändert sich hoffentlich bald. 

1. Pascal, stell Euch doch einmal kurz vor.

Mein Name ist Pascal Riederer. Ich habe zusammen mit Björn Frädrich und Michael Schimming mindflow gegründet. Mit mindflow wollen wir Menschen helfen, in Workshops und Meetings besser zusammenarbeiten. Dazu entwickeln wir mit mindflow digitale Workshop-Tools, die einen Workshop bereichern und ihm neue Impulse geben. mindflow ermöglicht es, mit seinen Teilnehmern über iPad und iPhone Methoden durchzuführen. Jede Methodik hat ihre ganz individuellen Vorteile: Ein Brainstorming oder Scoring zum Beispiel wird viel schneller und ist außerdem plötzlich völlig anonym, was leisen Teilnehmern Hürden nimmt, sich zu beteiligen. Visuelle Methoden zum Beispiel sind mit mindflow sehr viel spielerischer und motivieren die Teilnehmer, sich intensiv mit der Aufgabe zu beschäftigen. Am Ende sind alle Ergebnisse in mindflow außerdem schon digital vorhanden, das spart viel Aufwand beim Abfotografieren und Abtippen von Post-Its und Flipcharts – insbesondere wenn die Handschriften unleserlich sind.

2. Wann würdest Du digitale Workshop-Tools einsetzen – und wann eher nicht?

Dem Moderator bringt mindflow als digitales Instrument im Repertoire zusätzliche Möglichkeiten. Es führt aber auch zur Herausforderung, den Einsatz der verschiedenen Medien perfekt aufeinander abzustimmen. Einen Workshop komplett digital abzubilden macht dann Sinn, wenn es sich um ein kurzes Meeting, zum Beispiel zum Sammeln oder einfachen Bewerten von Ideen handelt. Digitale Methoden haben nämlich enorme Vorteile gegenüber konventionellem Arbeiten, wenn es um Effizienz geht. Bei diesem Aspekt sind unsere Kunden insbesondere dankbar über die Funktion, alle gesammelten Daten sofort in Ihre Dokumentation bzw. Auswertung übernehmen zu können.

Außerdem hat das digitale Arbeitsmedium iPad bzw. iPhone natürlich den Charme des Neuen im Workshop. Ice-Breaker und spielerisches Arbeiten: das motiviert und engagiert. Solche Bestandteile des Workshops können hervorragend digital unterstützt und abgebildet werden. Beispielsweise wenn man unter Zeitdruck intuitiv eine Beurteilung abgeben muss – fast wie in einer Gameshow. Dass man dabei ein wichtiges Stimmungsbild erarbeitet, fällt erst anschließend in der Auswertung auf.

Was „digital“ (noch) nicht kann, ist das schöne Gefühl zu vermitteln, mit den Händen zu arbeiten. Wischen und Tippen sind schön und gut, aber manchmal muss man einfach mit Schere und Stift, Knete und Lego-Steinen arbeiten.

Am Ende ist es die Mischung aus analogem und digitalem Arbeiten. Wir beraten unsere Kunden häufig dabei, wie mindflow im Workshop positive Akzente setzt statt einfach das Flipchart abzulösen.

3. Was war Dein schönstes Erlebnis mit digitalen Workshop-Tools?

Wir waren erst kürzlich erstaunt über die unfassbare Konzentration bei einer Kreativ-Session, die durch mindflow ausgelöst wurde. Die Teilnehmer produzierten beim Brainstorming hochkonzentriert unfassbar viele Ideen, während sie sich laufend neue Inspiration am Beamer holten. Dort wird nämlich live jeder neue Beitrag angezeigt, aber nicht, von wem er stammt. Ob vom Chef oder vom Praktikanten, alle anonymen Ideen sind dann gleich viel wert und somit trieb nicht an, von wem die Idee stammte, sondern die guten Inhalte brachten die Kreativität ins Rollen.

4. Welche anderen digitalen Workshop-Tools schätzt, empfehlt oder nutzt Ihr?

Wir haben regelmäßig die Apps Genius Scan bzw. Office Lens im Einsatz zum Dokumentieren von Arbeitsergebnissen auf Flipcharts. Die Fotos der Mitschriften oder Darstellungen werden so deutlich besser und akzentuierter als sie einfach nur abzuknipsen.

Wir probieren auch immer wieder Mind-Mapping Apps aus, von denen einige inzwischen sehr gut brauchbar sind. Empfehlenswert finden wir zum Beispiel XMind – einfach zu bedienen und daher schnell genug, um Ideen in Echtzeit abzubilden, statt sich mit der Technik abzukämpfen. Oder das beliebte Mindmeister, das natürlich als native App noch etwas schicker ist und durch die Touchscreen-Steuerung etwas mehr Spaß macht.

Wenn es um Visual Thinking geht, man etwas im Workshop visualisieren oder dokumentieren will, dann hätte ich noch eine Empfehlung. Wir haben letztens Mind-Objects kennengelernt – nicht verwandt oder verschwägert, was man beim Namen fast meinen könnte. Die Jungs aus Dresden haben eine tolle App entwickelt, die ein virtuelles Whiteboard auf dem Samsung Galaxy Note zum Leben erweckt – mit unbegrenztem Platz. Man kann also beim Skizzieren und Dokumentieren nie mehr an den Rand des Flipcharts oder des Whiteboards geraten. Es lohnt sich, Mind-Objects mal auszuprobieren.

Die Empfehlungen von @mindflowapp für digitale Workshop-Tools: @thegrizzlylabs, @mindmeister, @msofficelens, @xmind @mind_objects Klick um zu Tweeten

5. Woher holt Ihr Euch Inspirationen für neue Tools, Spiele, Variationen etc.?

An Ideen mangelt es wirklich nicht. Wir haben schon eine lange Liste von Konzepten und Plänen in der Schublade. Wir lesen natürlich viel, es wird ja nicht gerade wenig veröffentlicht zum Thema (z.B. aktuell das Facilitator’s Toolkit vom NHS Institute for Innovation and Improvement).

Vor allem aber in Gesprächen mit unseren Kunden kommen immer wieder neue Gedanken dazu. „Könnte man nicht mal das-und-das machen?“, „Ich würde ja am liebsten im Workshop so-und-so weitermachen…“, „Mich nervt an dieser alten Methodik ja am meisten…“.

Eigentlich müssen wir nur wenig neu erfinden, sondern können so vieles besser machen und weiterentwickeln, was es schon gibt. Da wird aus einem langweiligen Arbeitsblatt plötzlich ein Konzept für ein neues Tool, das zusätzliche Tiefe in der Aussage ermöglicht und dabei noch viel mehr Spaß macht als die ursprüngliche Version auf Papier. Wir arbeiten eng mit Trend- und Kommunikationsagenturen wie TrendOne, MLove, Thjnk oder Zum Goldenen Hirschen zusammen – hier sind traditionell viele Ideen und viele Varianten von gängigen und exotischeren Methoden im Umlauf. Und wir regen mit unseren Ansätzen und Gedanken immer wieder neue Lösungen an, um Workshops in Zukunft vielfältiger, spannender und begeisternder zu machen.

Vielen Dank, Pascal.

Und jetzt Ihr:

Welche digitalen Workshop-Tools nutzt Ihr? Oder ist das alles Firlefanz? #digitalfacilitation Klick um zu Tweeten

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