High Five
Schreibe einen Kommentar

High Five #14: Gestikulierende Szenario-Archetypen im Zwiegespräch mit einer Wand

High Five #14

Hallo,
nun ist es also soweit, wir surfen die zweite Welle. Und wie das so ist bei Ereignissen mit großer Tragweite: Prioritäten verschieben sich und vieles, das wir vorher noch für groß und weltbewegend erachtet haben, wirkt plötzlich klein und wenig relevant.
Vermutlich gilt das auch für die folgenden fünf Inspirationen rund um Organisationsgestaltung und Workshop-Facilitation. Viel Spaß beim Lesen – und vielleicht hast du ja auch Interesse an unserem kleinen Vorweihnachts-Jahresausklangs-Format für dich und deine Kolleg*innen?
Wir wünschen dir, dass du heile durch diese Wellenbewegungen kommst – gesundheitlich wie wirtschaftlich.
Bleib achtsam und pass auf dich auf.

Bis bald,
Dirk, Jörg und Valentin


1. Wachstum, Niedergang, Balance oder Transformation?

Der hawaiianische Zukunftsforscher Jim Dator hat 1979 vier archetypische Narrative über Zukünfte vorgestellt und 2009 verfeinert: Wachstum, Niedergang/Zusammenbruch, Stillstand/Balance und Transformation. Diese Narrative nutzen wir immer mal wieder, um in Workshops zu identifizieren, welche Stakeholder und Akteure aufgrund von Umbrüchen oder neuen Strategien wohl an Bedeutung gewinnen oder verlieren werden, welche sich behaupten und welche sich grundlegend transformieren. Alternativ setzen wir die vier Archetypen ein, um in Sessions schnell grobe Szenarien zu skizzieren, die die Teilnehmer*innen dann weiter konkretisieren, anpassen und in Aktion erleben. 

Mehr zu diesem Archetypen-Konzept gibt es in diesem Aufsatz von Jim Dator aus dem Jahre 2009.


2. Aufforderung zum Regelbruch

Regeln geben uns Struktur, sie zu befolgen erleichtert Kommunikation und Zusammenarbeit. Clowns hingegen spielen damit, dass sie Regeln brechen und ad absurdum führen. Dieser Haltung folgend haben wir eine wunderbare Übung für Remote Workshops entdeckt. Wir stellen den “digitalen Knigge” vor, als konventionelle “Workshop-Regeln fürs Virtuelle” und bitten die Teilnehmer, diese dann auf möglichst viele, kreative Arten zu brechen. Plötzlich gibt es wilde Kamerafahrten, Musik, es wird gegessen und geschmatzt, Bildschirme werden auf den Kopf gestellt und vieles mehr. In einer zweiten Runde geht es dann darum, die Regeln zwar einzuhalten, aber trotzdem zu konterkarieren. Und auch diese Runde ist nicht weniger kreativ und inspirierend, wenn Teilnehmende sich Cocktails mischen (Getränke sind schließlich erlaubt!) oder sich mit dem Rücken zur Kamera drehen (Oberkörper und Kopf sind ja immerhin im Bild!). Diese Übung eignet sich nicht nur als Energizer und Kreativitätsübung, sondern auch als Warm-Up für ein szenisch-darstellerisches Spiel. Denn sie weckt Spielfreude und zeigt Spielmöglichkeiten auf. 


Weil Corona eure Weihnachtsfeier cancelt, …

… heißt das nicht, dass ihr nicht trotzdem gut zusammenkommen könnt, um den Wellen des auslaufenden Jahres Raum zu geben, Neues zu begrüßen und Vergehendes zu würdigen. Wir packen unsere Koffer mit virtuellen Aktionsmethoden aus und laden euch zu einer virtuellen Weihnachtsfeier “in äktschn” ein: Mit einer bunten Mischung aus Soziodrama, Playback Theater, Clowning, Physical Theater und, und, und… Wir bieten dir und deinem Team eine heitere, unterhaltsame, bewegungsreiche, emotionale, empathische, besinnliche und verbindende Weihnachtssession. Jenseits von TOPs, To-Dos und Talking Heads verfliegt jede Zoom-Müdigkeit im Nu – und bestimmt schaut auch der Weihnachtsmann vorbei. Lust geweckt? Meld dich einfach bei uns.


3. Erhellende Selbstgespräche mit einer Wand

Eine kleine und unaufwändige, aber umso kraftvoller wirkende Übung ist “Talk to the wall”. Dabei stellen alle ihr Mikro aus und gehen – idealerweise im Bild bleibend – zur Wand gegenüber der Kamera. Die Wand bist du selbst – und du schlüpfst in die Rolle eines guten Freundes oder einer Freundin, der/die zu dir spricht und dir seine Meinung sagt oder einen Ratschlag gibt. Wir setzen diese Übung ein, wenn es gegen Ende einer Session darum geht, persönliche Erkenntnisse zu reflektieren oder Handlungsimpulse abzuleiten. Dadurch, dass du in die Rolle eines engen Vertrauten schlüpfst, kannst du dir selbst die Meinung sagen oder ganz andere, unbequeme Fragen stellen. Wer das einmal ausprobiert hat weiß, dass das eine ganz andere Erfahrung ist, als wenn man die Teilnehmer*innen “nur” bittet, für sich selbst Erkenntnisse oder Handlungsimpulse abzuleiten.


4. Die Retro mit der Wetter-Prognose

Retrospektiven sind elementarer Bestandteil unserer Theory of Change. Wir sind davon überzeugt, dass es in komplexen, dynamischen und ungewissen Zeiten kurze Zyklen und regelmäßiges Zurückschauen braucht, um effektiv zu lernen und zu adaptieren. Neben Werkzeugen wie dem Retrographen (Blogbeitrag) setzen wir für Retrospektiven auch immer mal wieder die Wetterprognose ein. Diese spielt ganz wunderbar mit dem Absolutheitsanspruch jeglicher Prognosen. 

Nach dem Sammeln empirischer Daten geben die Teilnehmer*innen der Retro eine Prognose über den kommenden Zyklus ab. Im Sinne einer Wetterprognose gibt es dafür eine fiktive Landkarte mit verschiedenen Gebieten. Diese Gebiete repräsentieren Themen – etwa die Scrum-Werte für gute Zusammenarbeit (Fokus, Commitment, Offenheit, Respekt und Mut). Anhand der Symbole eines Wetterberichts (Sonne, Regen, Nebel, Gewitter, …) legen die Teilnehmer*innen in Kleingruppen fest, wie es mit diesen Themen wohl weitergehen wird. Und wie immer gilt auch hier: interessant ist nicht so sehr das Symbol, sondern das Plausibilisieren. Zum Abschluss werden die Ergebnisse im Stile einer Wetter-Moderation präsentiert. Das ist nicht nur erkenntnisreich, sondern auch erheiternd. Das Prinzip zu ausgewählten Prognosen anhand von Wettersymbolen abzugeben, lässt sich auch wunderbar jenseits von Retrospektiven nutzen.

(eine etwas ausführlichere Vorstellung des Tool gibt es hier)


5. Körpersprache und Facilitation

Diese Podcast-Episode ist eine inspirierende Steilvorlage für die Selbstreflexion des eigenen Tuns: was mache ich mit meinen Händen in einem Zoom-Workshop? Wie unterstütze ich zu Beginn eines Workshops mit meinem Körper das Schaffen eines “Safe Spaces”? Podcasterin Leanne Hughes hat sich den Körpersprachen-Experten Mark Bowden vor Kamera und Mikro geholt, um genau über solche Themen zu sprechen.
Bowden vereinfacht und nähert sich dem ganzen Thema eher als schillernder Keynote-Speaker, denn von einer wissenschaftlich-ruhigen Seite. Vielleicht funktioniert es genau deswegen so gut als energiegeladene Inspiration, um beispielsweise mal über die Handlungsspielräume der eigenen Hände in einem Zoom-Call nachzudenken und sie von nun an geeigneter Stelle vielleicht mal wilder im “Passion Plane” zu platzieren (Minute 03:05).


Du suchst einen Sparringspartner für einen komplexen Workshop, schwierige Akteurskonstellationen oder kommst in deinem Transformationsprozess nicht weiter?

Schreibe uns gern eine Mail, wenn du bei einem Vorhaben eine zweite Meinung, einen kritischen Blick oder neue Impulse benötigst. Und wie immer freuen wir uns auch über Feedback zu diesem Newsletter. 

Danke fürs Lesen und Deine Zeit.

Beste Grüße und einen schönen Tag,
Dirk, Jörg und Valentin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.