High Five
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High Five #10: Mit knallenden Sektkorken, Raumhalt-Reflexionen und der Frage, ob BANI besser als VUCA ist

Hallo,
gleich vorweg etwas Konfetti und Sekt: Wir haben heute etwas zu feiern. 5 Jahre komfortzonen.de! Einerseits: wow, schon?! Andererseits: was, erst!? So viele Projekte, Menschen, Kunden und Weggefährten. Viel erlebt, gelernt, diskutiert, verworfen und gesponnen. Richtungen geändert, voraus und doch auch immer achtsam aufeinander geblickt. Ob du sporadischer Leser bist oder langjährige Weggefährtin: wir wollen Danke sagen für all die spannenden Begegnungen, Empfehlungen und Vernetzungen! 

So. Genug der Gefühlsduselei – und weiter im Text mit hoffentlich anregenden Impulsen rund um Organisationsgestaltung und Remote-Facilitation.


1. New normal? Nein, danke!

Die „Neue Normalität“ ist das Buzzword der Stunde. Googelt man „new normal“, finden sich viele Thesen und Standpunkte, wie Organisationen damit umgehen und welche Spannungsfelder auftauchen: von Remote Work als neuem Standard, neuen digitalen Geschäftsmodellen oder der Neusortierung der Ökosysteme. Und wie immer liefert auch hier die Lücke spannende zusätzliche Information. Oft fehlen in diesen Betrachtungen die Rückkoppelungen gesellschaftlicher Prozesse auf Organisationen. So droht z.B. die vielfach ungleiche familiäre Lastenverteilung zwischen den Geschlechtern in Pandemie-Zeiten die Positionen von Frauen in Organisationen zu verschlechtern. Oder die Frage, inwieweit die Krise auch Schub geben kann für nachhaltige und klimarelevante Transformationen? Schon klar, das sind alles Fragen, die man im „New Normal“ auch denken kann und muss, aber allein der Begriff verursacht uns einen leichten Bauchschmerz. Denn er drückt die Sehnsucht nach einem neuen, verlässlichen Status Quo aus, die sich aus der Unerträglichkeit des Werdenden ergibt. Wir haben derzeit keinen Gegenvorschlag, denn einen Begriff für diese neue Situation zu finden, würde – wie das Wort „Begriff“ schon nahelegt -, bedeuten, etwas zu begreifen. Aber wir sind noch mittendrin im Begreifen. Von daher wissen wir gerade nur, dass wir den Terminus „New Normal“ nicht weiter als leeren Signifikanten nutzen wollen. (Danke an Nadja Petronovskaja für das Aufwerfen dieser Begriffsdiskussion.)


2. Diskussions- und Denkstoff: Chaos mit BANI

Das VUCA-Konzept begleitet uns zuverlässig seit mehr als 10 Jahren. Es beschreibt die Welt als zunehmend V:olatil, U:ncertain, C:omplex und A:mbiguous. Dieses Konzept ist die Grundannahme für alle agilen und selbstorganisierten Denk- und Handlungslogiken. Jamais Cascio argumentiert nun, dass VUCA eine Alltagsbeschreibung sei, die immer weniger nützliche Erkenntnisse liefere. Denn wir stünden an der Schwelle zu einer Welt, die von Chaos geprägt ist. Er bietet ein neues Sensemaking-Modell an: BANI. Das steht für B:rittle (porös), A:nxious (ängstlich, besorgt), N:on-linear (nicht-linear) und I:ncomprehensible (unbegreiflich).

Entitäten, Infrastrukturen und Konstellationen würden von innen brüchig, spröde – brechen schließlich zusammen, obwohl sie Stabilität suggerierten (brittle). Infolge chaotischer Zustände verhielten sich Personen, Organisationen und Gesellschaften stark von Ängsten geprägt (anxious). Entwicklungen aller Art seien viel weniger durch Ursache und Wirkung zu erklären und würden kaum geradlinig verlaufen. Neben exponentiellen Entwicklungen nennt Cascio die Hysterese z.B. des Klimawandels, die (stark) zeitverzögerte Wirkung von Effekten (non-linear). Zudem müssten wir uns daran gewöhnen, dass wir vieles (noch) nicht verstünden, in ihrer Gänze nicht begreifen können und herkömmliche Erklärungsversuche scheitern (incomprehensible).

Wir sind uns nicht einig, was wir mit diesem Vorschlag anfangen und haben im Team schon viel darüber diskutiert: den einen bringt es auf neue Gedanken und Zugriffspunkte für die zu betrachtende Welt, der andere zweifelt, ob da wirklich so viel neues drin steckt. Einig sind wir uns aber: der Artikel ist lesenswert und diskussionsauslösend. Und wer mag, kann gerne hier auf Linkedin mitdiskutieren, ob dieses Akronym nun hilft, wie es sich von VUCA unterscheidet und warum beide vielleicht auch so etwas wie das Cynefin-Framework brauchen können, um dem Begreifen der Welt unter die Arme zu greifen.


3. Warm-Up mit Straßennamen

Welche Assoziationen kommen dir zum Thema Transformation in den Sinn, wenn du den Straßennamen „Kleine Freiheit“ hörst? Was fällt Dir zu Vogelhüttendeich und Organisationsentwicklung ein? Oder zu Fahrenort und Prozessbegleitung? Wie heißt die Straße, in der du wohnst – und was hat dieser Name mit Krisenbewältigung zu tun? Thematische Assoziationen über Straßennamen von Teilnehmer*innen sind eine schnelle, spontane und heitere Art, einen anderen Zugang zu einem Thema zu bekommen. So eine Übung eignet sich als inhaltlicher Einstieg und ist zugleich auch ein schönes Warm-Up für eine Gruppe.


4. Raum halten!

„Den Raum halten“ ist ein Ausdruck, der sich in der letzten Zeit tief in unserem Vokabular verankert hat. Wir benutzen ihn sowohl im Zusammenhang mit längeren Prozessen als auch für die Arbeit in Workshops. Im Wesentlichen geht es darum, geistig und emotional Platz zu machen für das, was es gerade braucht und was entsteht. Häufig entwickelt sich eine Eigendynamik, die ein Momentum für neues Denken und Handeln schafft. Den Raum zu halten ist das Gegenkonzept zu inhaltlich stark vordefinierten Abläufen. Dieser tolle Artikel von Sahana Chattopadhyay bringt die verschiedenen Aspekte von „den Raum halten“ ganz wunderbar auf den Punkt.


5. Einfach mal was spielen…

Eine Linkempfehlung für alle, die ihre Online-Meetings mit etwas Spieltrieb auflockern wollen. Brightful Meeting Games sind vier kleine Workshops-Spiele wie „Pictionary“ oder „Spot my Lie“, die sich als Warm-Up oder Energizer nutzen lassen. Niemand muss was installieren, alles geschieht browserbasiert. Der Moderator „hostet“ ein Spiel und gibt die Game-Room-ID an die Session-Teilnehmer weiter. Und los geht´s. Eine kleine, nette Ritschratsch-Fertiglösung, um dein nächstes Online-Meeting mit einem Spielchen aufzuhübschen.


Du suchst einen Sparringspartner für einen komplexen Workshop, schwierige Akteurskonstellationen oder kommst in deinem Transformationsprozess nicht weiter?

Schreibe uns gern eine Mail, wenn du bei einem Vorhaben eine zweite Meinung, einen kritischen Blick oder neue Impulse benötigst. Und wie immer freuen wir uns auch über Feedback zu diesem Newsletter. 

Danke fürs Lesen und Deine Zeit.


Beste Grüße und einen schönen Tag,
Dirk, Jörg und Valentin

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