High Five
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High Five #04: Von introvertierten Extrem-Haftzetteln und post-bürokratischer Sprachmacht.

Hallo,
hier kommt die vierte Ausgabe mit Inspirationen rund um die Themen Organisationsgestaltung und Workshop-Facilitation. Viel Spaß damit!

1.  Zwei Grad und Regen: der Post-it hält.

Ob Steilwand ohne Seil oder Basejump vom Wolkenkratzer: alles geht extrem. Ab jetzt auch Haftnotizkleben. Namentlich: Post-it Extreme. Seit etwa 1,5 Jahren standen die auf unserer Material-Watchlist, waren aber nur in Amerika zu bekommen. Jetzt sind die Post-its auch hierzulande erhältlich und unser erster Test hat beeindruckt. Vermooster Baum: hält. Regennasse Waschmaschine: hält. Graffiti auf rauer Wand: hält. Die bislang nur in 76x76mm verfügbaren Haftnotizen sind nix für jeden Workshop, aber für Extremsituationen und -untergründe, in und an denen wir dennoch ein wenig visuell moderieren möchten. Wir testen weiter und schauen mal, ob die Extrem-Klebezettel dauerhaft in unserem „Koffer“ landen. Hier könnt ihr selbst welche bestellen. 


2. Weg von statt hin zu (Post-bürokratisches Organisieren)

Im letzten Jahr waren wir zu Gast beim Symposium „Post-bürokratisches Organisieren“. Zusammen mit Forschungspartnern stellten Judith Muster und Finn-Rasmus Bull ihre Ergebnisse zu Themen wie Holakratie, Selbstorganisation und Working Out Loud vor. Neben guten Diskussionen und Vorträgen haben wir dabei vor allem einen schönen Begriff mitgenommen: „Post-bürokratische Organisation“. 
Statt auf den Agile-Zug aktueller Managementmode aufzuspringen und ein visionär-unerreichbares Zielbild zu malen, benennt der Begriff Post-bürokratisch vor allem das, wovon man sich wegbewegen will. Er benennt die Motivation hinter einer Wendung in Richtung Agilität. Und er lässt den Zielraum bewusst offen für weitere Antworten neben oder nach „agil“. Der Charme: auch wenn „agile“ als Modethema überholt oder als Begriff verbrannt ist, bleibt „Post-bürokratisch“ davon unberührt. Angesichts der Vielfalt möglicher Zukünfte hat es uns inspiriert in der Begleitung von Transformationsprozessen eher das zu benennen, wovon man sich lösen möchte und was den aktuellen Schmerz benennt, als eine mögliche Antwort zu überhöhen. 


3. Gastauftritt: Introvertierte in Workshops

Wer nicht blauäugig in einen Workshop läuft, sondern im Vorfeld herausfindet, wie die Teilnehmer*innen so „ticken“, stellt schnell fest, dass im Workshop verschiedene Charaktere aufeinandertreffen: es gibt die Bremser und die Befürworter, die Lauten und die Leisen, es gibt die „oben“ und die „unten“, es gibt den Schnacker und die Macherin und noch viele mehr. Zum Glück gibt es auch einige Tricks und Kniffe, um alle Teilnehmenden gleichberechtigt zu Wort kommen zu lassen. Die Agentur allcodesarebeautiful hat sich eines besonderen Themas angenommen und 20 Expert*innen gefragt, wie sie mit Introvertierten in Workshops umgehen, und auch Dirk hat ein paar Tipps beigetragen zum Artikel: „Der Leitfaden für introvert-friendly Workshops“.


4. Sprache in Transformationsprozessen: Die Macht der Worte

Reifegrad, Work-Life-Balance, Soft-Skill, durchsteuern oder FTE. Wenn wir in unserer Sprache Steuerungs-, Maschinen- und Autokratiemetaphern nutzen, zu stark vereinfachen oder in Buzzwords rasseln, konstruieren wir eine Realität, die genau durch diese Sprache beeinflusst und letztlich limitiert wird. Wer sich das immer wieder vor Augen führen möchte, findet bei redforty2 ein A1-Plakat mit einer streitbaren Gegenüberstellung zweier Sammlungen von Organisationssprache. Das Poster lässt sich auch prima als Futter in Workshops nutzen, um eine Diskussion und Kritik der eigenen Sprachregelungen anzustoßen.


5. Abgehört: Soziopod – ausgezeichneter Podcast-Klassiker

Wenn ihr gerne langformatige Podcasts hört, in denen euer Denken über soziale Systeme angefacht wird, empfehlen wir euch einen Grimme-Preis-ausgezeichneten Klassiker unter den deutschen Podcasts: Soziopod. Mit Herz und viel Liebe von Nils Köbel und unserem Netzwerkbekannten Patrick Breitenbach auf die Beine gestellt, geht es hier seit 9 Jahren immer wieder ausführlich um die großen Fragen und Theorien der Soziologie. Von Luhmann bis Kant, von Bildung bis zu zahllosen -Ismen. Anschlussfähig an Punkt 4 geht es in Folge #019 zum Beispiel um Konstruktivismus, eine sieben Jahre alte Podcast-Folge, die auch heute beim Reinhören Impulse für die eigene Arbeit und geistige Einordnung anstößt. Das kann sicher nicht jeder Podcast da draußen im Netz von sich behaupten.


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Dirk, Jörg und Valentin

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