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Andere Stifte und Schriften für Workshops: 3 Alternativen zu Moderationsmarkern

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Bist Du auch gelangweilt von klassischen Moderations-Markern und 08/15-Trainer-Schriften? Wenn Du Workshop-Materialien typografisch aufhübschen willst, dann bekommst Du durch diesen Post vielleicht ein paar Inspirationen für andere Stifte und Typos.

In den letzten anderthalb Jahren habe ich großen Spaß an der Gestaltung mit Schrift gefunden. Wenn man mir das vor ein paar Jahren erzählt hätte, hätte ich das bestimmt für äußerst unwahrscheinlich gehalten. Aber ich ertappe mich sogar dabei, dass ich manchmal mehr Spaß an der Materialproduktion als der Moderation oder dem Partizipationsdesign habe. Und das Kaufen neuer Stifte ist meine “Shopping Therapy”. Da ich im Sommer während meiner Elternzeit umfangreich gemalt habe und mir viele neue Stifte besorgt habe, kommt hier ein Einblick in mein Federmäppchen.

Alternative Stifte 1: Brushpens – wie alles anfing

Stifte-Schriften-Workshops-Brush-Pens

Zwischen den Jahren 2015/2016 – parallel zur Vorbereitung auf den 2. Kyu beim Aikido – habe ich über Frau Hölle Brushlettering entdeckt und fleißig begonnen, mit dem Pinselstift zu schreiben. Vor allem für Posterüberschriften in Workshops. Es war ein unglaublich tolles Erlebnis, weil ich mit ganz wenig Übung schon Wow-Effekte erzeugen konnte. Genau meine Kragenweite. Über einen Kurs von Chris Campe beim Selfmade-Lab habe ich das ganze dann noch mal vertieft. Über Brushlettering hatte ich ja auch schon mal geschrieben.

Folgende Pinselstifte nutze ich:

Brushpens nutze ich inzwischen auch häufig zum Colorieren. Das machen viele Manga-Künstler so. Vor allem die Stifte von Ecoline und Tombow nutze ich dafür, Farben hinzuzufügen.

In Sachen Brushlettering-Schriften kann man bedenkenlos den Brush Lettering Guide von Frau Hölle nehmen. Auch Chris Campe hat schöne in ihrem Handlettering-Buch. Auf Kelly Creates gibt es viel Schriftinspiration. Peggy Dean hat diesen Sommer auf Instagram ihr gesamtes Alphabet häppchenweise gepostet, und Janne Klöpper aka Textmarie hat gerade einen schönen Artikel über die drei goldenen Regeln bei Pinselstiften und Papier veröffentlicht.

Auf Instagram sieht man tolle Brushletterings mit irren Verzierungen. Das hat mich bislang nicht gereizt und im Vergleich zu dem, was ich auf Instagram so sehe, ist meine Pinselschönschreiberei nach wie vor ziemlich basal. Aber es erfüllt seinen Zweck und es macht mir Spaß. Gleichzeitig hat sich Brushlettering für mich schnell erschöpft, weil es mir an alternativen Fonts fehlte. Die Suche nach Alternativen Schriftarten war daher der Ausgangspunkt für die Suche nach anderen Schriften und Stiften.

Alternative Stifte 2: Parallel & Ruling Pens

Stifte-Schriften-Workshops-Parallel-Ruling-Pens

Kurz nach dem Aha-Erlebnis durch Brushlettering habe ich dann das Kalligraphie-Tutorial von Julia Bausenhart entdeckt. Ich habe mir dann einen 6mm Parallel-Pen von Pilot zugelegt. Der Parallel-Pen wird viel für klassische Kalligraphie und Fraktur-Schriftarten benutzt. Um da gute Resultate hinzubekommen, fehlen mir eindeutig Übung und Geduld. Und so blieb der Parallel-Pen lange in der Schublade – bis zu diesem Sommer!

Wer noch nie einen Parallel-Pen gesehen hat: Es  sind Stifte mit einer Spitze, die breit  und zugleich sehr dünn sind. Im Verhältnis dazu sind typische Moderationsmarker breit und dick. Dem entsprechend ist beim Parallel-Pens  der Unterschied zwischen breitem und dünnen Schreiben sehr viel größer als beim Moderations-Marker.

In diesem Sommer hatte ich zwei Monate Elternzeit und wir waren 7 Wochen in Südtirol auf Reisen. Ich habe unzählige Abende damit verbracht, eine Art Tagebuch in Schönschrift zu führen. Jeden Tag habe ich mir 2-3 Erlebnisse notiert und diese dann nach und nach in Schönschrift in mein Buch gepinnt. Zur Inspiration habe ich dafür intensiv Instagram genutzt. Dabei habe ich tolle Künstler entdeckt wie z.B. Drury Brennan, Claudio Gil, Luca Barcellona, CarolDubosch oder Heather Martinez. Und auf Pinterest sammle ich Alphabete, die mir gut gefallen.

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In dem Zusammenhang habe ich auch den Parallel-Pen wiederentdeckt und mich neu verknallt. Das liegt nicht nur an dem Stift, sondern auch an drei Schriftarten. Diese Schriftarten sind eher expressiv als klassische Kalligraphie-Fonts. Sie erfordern nicht so filigranes Arbeiten, sondern sind rough. Das gefällt mir sehr. Das sind die Schriften, die auch in meiner Pinterest-Sammlung sind.

PIN 1
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Das Schöne am Parallel-Pen: es ist ein Stift mit Tintenpatrone. Man braucht also kein Tintenfass. Das Problem am Parallel-Pen ist jedoch die limitierte Breite. Pilot bietet nur Stifte bis max. 6mm Breite an. Das ist für Poster-Überschriften aber meistens zu klein.

Stifte-Schriften-Marshmallow-Challenge

Aus dem Grund habe ich mir nach der Elternzeit auch Stifte zugelegt, die man in ein Tinten- oder Tuschefass tunken muss. Toll sind z.B. die Stifte von Automatic Pens, Dreaming Dog (ganz neu eingetrudelt) und bestimmt auch die von Luthis. Die haben viele schöne Breiten und einige spannende Sonder-Formen, z.B. mit zwei parallelen Linien. Diese Stifte heißen auch Ruling Pens – oder Reißfedern auf deutsch. Wenn man schnell und kräftig damit eine Linie zieht, dann entsteht eine coole, ausgefranste Linie und es kommt zu interessanten Klecksern. Hier bin ich aber aktuell noch in der Übungs- und Ausprobierphase. Häufig kleckst es noch zu stark oder an der falschen Stelle. Aber es macht mir viel Spaß. Automatic Pens gibt es im Künstlerbedarfsgeschäft wie z.B. bei Jerwitz. Dreaming Dog bekommt man in Europa nur bei Scribblers und Luthis über Kalligrafie.com.

In die Kategorie der Ruling Pens gehören auch modifizierte Parallel Pens von Pilot. Anbieter wie John Neal Bookseller (USA) oder Rainer Wiebe (D) schleifen die Parallel Pens und geben Ihnen alternative Formen die denen von Automatic oder einem Cola Pen ähneln. Das ist ganz praktisch, weil man ja nicht mit Tinte hantieren muss. Ich habe mir gerade einen Radius Cut bestellt und spiele damit herum.

Mein aktueller Liebling ist der Cola-Pen, einem ungehobelten Verwandten der Ruling Pens: Aus einer leeren Cola-Dose, Essens-Stäbchen und Tape ist so ein Stift ruckzuck gebaut. Eine Anleitung davon gibt es hier. Cola-Pens sind unberechenbar und erzeugen kein vorhersehbares Schriftbild. Schließlich schreibst Du mit dem abgeschnitten Büchsenblech. Man kann mit der Spitze des Cola-Pen sehr dünn oder auch dicker schreiben – je nachdem wie man den Stift hält. Am aufregendsten ist es aber mit dem unteren Teil zu schreiben und den Stift übers Papier zu kratzen. Dabei entstehen tolle Spritzer und wilde Kanten bei den Schriften. Blöd ist nur, dass man immer Gefahr läuft Dinge und Klamotten mit Tinte einzusauen. Einen Cola-Pen würde ich auch nicht in meinen Moderationskoffer packen, sondern im Büro für Poster-Überschriften nutzen.

Alternative Stifte 3: Paint-Marker

Über den Newsletter von Ian Barnard bin ich schon vor einiger Zeit in Kontakt mit Paint-Markern gekommen. Im Gegensatz zu regulären Markern, die Tinte verwenden, sind die Stifte mit verschiedenen Farben befüllt. Viele muss man schütteln und durch Drücken der Spitze Farbe nachpumpen.

Ich habe mir zunächst die Posca-Marker mit Rundspitze zugelegt und war spontan hin und weg. Dafür habe ich mir einen Satz Monoline-Schriften zusammengestellt (auch in der Pinterest-Sammlung), mit denen ich regelmäßig schreibe. Meine Lieblingsschrift ist hier die Timeburner. Die finde ich so eingängig, dass sie zu meiner Standardschönschrift geworden ist. Aber auch die A.D. Mono und die Black Bear benutze ich gern und häufig. Die Paint-Marker sind aber auch deshalb so cool, weil sie deckend sind. Die Farbe legt sich über die schwarze Tinte anderer Marker. Man kann z.B. mit einem weißen Paint-Marker auf schwarzer Tinte schreiben und so tolle Effekte durch Inlines bekommen.

Stifte-Schriften-Workshops-Paintmarker

Valentin hat irgendwann die neuen AcrylOnes von Neuland mitbestellt, und ich habe im Zuge der Materialproduktion für den Digital Transformation Club die Liquitex und Calligraffiti (von On The Run) Stifte entdeckt. Alle drei haben eine breite gerade Spitze (also etwas anders Keilspitzen) von ca. 12 mm. Damit kann man sehr schön fette Lettern malen. Bei den Fonts von Heather Martinez für Neuland ist auch einer dabei, den man super mit den breiten Markern schreiben kann:

PIN 4

Bei Black Ferry, dem Vegan/Graffiti-Laden hier in Wilhelmsburg, habe ich kürzlich beim Kaffeekauf die Slimer von On the Run aufgetan. Das sind Tuben mit Latexfarbe, die man über eine Spitze rausdrückt und schreibt. Das tolle an der Latexfarbe: sie bildet eine Art Relief und schafft so einen 3D-Effekt, den ich so noch nicht gesehen habe.

So. Das war mein Einblick in mein Federmäppchen, indem natürlich auch normale Marker, FineOnes, Fineliner und ein Bleistift noch drin sind.

Hast Du noch Tipps und Empfehlungen für andere Arten von Stiften?

Dann schreib mir oder hinterlasse einen Kommentar und ich kann meiner #PenAddiction weiter frönen.

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Jörg Jelden

Jörg Jelden

Jörg arbeitet als Berater und Moderator in Strategie-, Innovations- und Organisations-Angelegenheiten. Er lebt in Hamburg und ist seit 2010 selbständig. Jörg hilft Führungskräften, Vorhaben mit vielen Beteiligten voranzubringen. Neben Workshops moderiert Jörg auch Events und Konferenzen wie die NEXT sowie die Think-Tanks „Agenturen der Zukunft“ und „Marketingorganisation der Zukunft“. Jörg wird regelmäßig als Keynote-Speaker gebucht. Er ist Lehrer an der Good-School und Metaplan Professional. Als Ausgleich zur Kopfarbeit macht Jörg Aikido, liest Comics oder Science-Fiction-Bücher oder verbringt Zeit mit seiner Familie.

www.bathenjelden.com
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Jörg Jelden