Hallo,
immer wieder arbeiten wir mit anderen Berater*innen, Executive-Coach*innen, Facilitator*innen oder Event-Veranstalter*innen zusammen. Für uns sind das immer besondere Projekte, weil wir viel lernen und unsere Partner*innen auch. Mal kommt die Initiative zum Kooperieren von uns, mal von anderen. Grundsätzlich sind wir der Überzeugung: da geht noch viel mehr.
Wir haben nun im Blog sieben Wege skizziert und mit kurzen Beispielen unterlegt, wie wir bislang mit anderen zusammengearbeitet haben – als Inspiration, wie das vielleicht ja auch etwas für dich bzw. uns gemeinsam wäre.
Wir haben sogar schon ein erstes Feedback zum Artikel enthalten, vielen Dank für deine Worte, Eko Alile: “Super Beitrag. Hab ich so mit konkret möglichen Formaten und in der Offenheit noch bei keinen Kolleg:innen gesehen. Hätte ich nicht vorher schon mit euch arbeiten wollen, dann spätestens jetzt.
”
Inhaltlich dazu passend haben wir diese Ausgabe dem Thema Kooperation gewidmet und fünf inspirierende Irritationen zusammengetragen. Denn Kooperationen produktiv zu machen und für gute Zusammenarbeit zu sorgen, ist schließlich das Herzstück von Facilitation.
Viel Spaß – und ein klatschendes High Five auf allseits gute Kooperation! 
Dirk, Jörg & Valentin
1. Neues Buch: Mit dem Feind zusammenarbeiten
Adam Kahane ist seit vielen Jahren eine wichtige Inspirationsquelle für uns. Als Zukunftsforscher war er maßgeblich für Szenario-Arbeit in Südafrika und in Kolumbien in den 1990er-Jahre verantwortlich, die für Abkehr von Gewalt hin zu friedlichen Transformationen stehen. Facilitation spielte dabei eine große Rolle.
Adam hat nun eins seiner Bücher neu aufgelegt und aktualisiert. In „Collaborating with the Enemy – How to work with people you don´t agree with or like or trust“ geht es um sogenannte “Stretch Cooperations”. So bezeichnet er die Zusammenarbeit mit Menschen und Akteuren, die man nicht mag und denen man misstraut. Diese Art von Kooperationen sei entscheidend, um in zunehmend polarisierten Welten voranzukommen und in festgefahrenen Situationen neue Lösungen zu finden.
Das Buch grenzt diese Stretch Cooperations von konventionellen Kooperationen ab und arbeitet heraus, was hier besonders ist. Wie beim Handeln in komplexen Umgebungen geht es bei der Kooperation mit Akteuren, die man nicht mag oder denen man misstraut, z.B. darum, über erste kleine gemeinsame Schritte Verlässlichkeit und Vertrauen aufzubauen.
Wir haben das Buch in der digitalen Vorabversion gelesen und sagen: Adams Buch ist auch ein gutes Weihnachtsgeschenk.
2. Kugelbahn bauen: Kooperation im Team und zwischen Teams erleben
Einen großen Haufen unterschiedlich dicker Rohre, Schienen und Schläuche, einige gerade, andere gebogen. Dazu viel Tape, Band, Cutter, Pappe, Papier und natürlich Golfbälle. Das sehen die Teilnehmer*innen, wenn wir mit ihnen Kugelbahnen bauen wollen.
Dieses beliebte Teamspiel ist auch einer unserer Dauerbrenner in Sachen Kooperation. Aufgeteilt in mehrere Teams von 3 bis 5 Personen geht es darum, in 45 bis 60 Minuten aus einem Fundus an sehr verschiedenen Materialien eine durchgehende Kugelbahn zu bauen. Natürlich muss die Bahn am Ende ohne menschliche Hilfe funktionieren. Jedes Team verantwortet ein Teilstück von mindestens zwei Metern. Manchmal gibt es Extra-Challenges, wie z.B. „mindestens eine Links- und eine Rechtskurve pro Team“ oder “es muss ein Looping verbaut sein.” Damit eine durchgehende Bahn entsteht, müssen die Teams Übergabepunkte und -höhen klären, und kreativ beim Bau der Bahn und der Aufständerung werden. Es entstehen wilde Gerüste aus Tischen, Stühlen und Leitern. Und auch eine Moderationswand und -koffer wurden schon verbaut.
Die Kugelbahn sorgt nicht nur für Spaß und gute Team-Fotos, sondern produziert auch verlässlich “Debriefing-Gold”. In drei Runden geht es zunächst individuell um das eigene Führungs- und Kooperationsverhalten: “Was habe ich beigetragen zu dem, was entstanden ist?” In den Bau-Teams wird besprochen, wann genau die Zusammenarbeit besonders gut und wann schwierig war. Mit allen gemeinsam reflektieren wir schließlich, wie die teamübergreifende Koordination gelaufen ist. Es ist immer wieder lustig, wenn z.B. ein Leitungsteam aus der Baubranche in den Teams loslegt, ohne dass man sich vorher gemeinsam einen groben Plan gemacht hat. Nach der Kugelbahn ist in Sachen Kooperation und Zusammenarbeit mehr möglich als davor.
Pro-Tipp: Wir lassen die Teilnehmer*innen selbst Material mitbringen. So entsteht Beteiligung schon vor dem Workshop und unser Material-Fundus wird größer und besser. Und, na klar, hier ist Recycling angesagt und nicht Kauf von nagelneuem Rohmaterial.
3. Konsent-Entscheidungen: schwerwiegende Bedenken integrieren
Ein Knackpunkt bei Kooperationen ist der Umgang mit Spannungen und Widerspruch, vor allem wenn wichtige Entscheidungen anstehen. Klassische Entscheidungsverfahren wie Abstimmung oder Konsens sind da meist wenig hilfreich. Für Abstimmungen sind Kooperationen oft nicht tragfähig genug. Und Konsens ist kaum oder nur sehr oberflächlich zu erreichen. Wenn sich ein Vorschlag herauskristallisiert, ist das Konsent-Prinzip oft sehr passend.
Konkret geht das zum Beispiel so: Nachdem jemand einen Vorschlag präsentiert hat, gibt es drei Runden. In Runde eins werden Verständnisfragen gestellt und zum Schluss beantwortet. In Runde zwei dürfen alle ihre Reaktionen auf den Vorschlag schildern, wenn sie möchten. In Runde drei geht es um “Sicherheitsbedenken”, also inwiefern hat jemand so schwerwiegende Bedenken, dass der Vorschlag nicht weiterverfolgt werden kann. Gibt es solche, geht es darum, wie diese schwerwiegenden Bedenken ausgeräumt werden können. Es müssen also nicht alle den Vorschlag gut finden. Solange es keine schwerwiegenden Bedenken gibt, kommen die Kooperationspartner*innen dennoch voran.
In einem Workshop mit mehreren Kulturinstitutionen, die zusammen in einem Verbund organisiert sind, ging es vor einiger Zeit um drastische Kürzungen. Nachdem wir an Tag 1 tief in die DNA des Verbunds eingetaucht sind und in Sachen Fokussierung gearbeitet hatten, kam der Vorstand am nächsten Morgen mit einem Vorschlag für eine Fokussierung zurück. Das strukturierte Vorgehen des Konsent-Verfahrens führte dazu, dass die drei Ebenen nicht wild durcheinanderliefen. Stattdessen ging es am Schluss “nur” noch um die Klärung und Integration der schwerwiegenden Bedenken. Und da waren wirklich ein paar dicke Bretter dabei. So konnte in einer sehr angespannten Lage, in sehr kurzer Zeit, mit mehr als 30 Personen ein Kompromiss gefunden werden, den alle mittragen konnten. Kooperation muss sich dann besonders beweisen, wenn sie unter Druck kommt.
4. Effectuation-Kochen: Das Menü gemeinsam entstehen lassen
Effectuation prägt seit Langem unser Handeln und unsere Haltung als Facilitatoren und Berater. Mit dem Effectuation-Ansatz ist die Frage nicht “Was will ich erreichen?”, sondern “Was habe ich und was kann ich daraus machen?” Ressourcen – statt Zielorientierung. Michael Faschingbauer hat dazu nicht nur das wichtigste deutschsprachige Buch geschrieben, sondern auch tolle Formate wie den „Marktplatz der Macher*innen“ entwickelt.
Jüngst schrieb er über “Effectuation-Kochen”. Statt bei einem Teamevent ein Menü nach Anleitung zu kochen, hat Michael nur irgendwelche Zutaten besorgt. Gemeinsam hat die Gruppe dann daraus ein mehrgängiges Menü gekocht. Es geht hier also um Mittelorientierung: „Was habe ich?“ statt „Was will ich?“ Es geht auch darum, Initiative zu ergreifen und Menschen zu finden, die mitgestalten. Und es geht darum, Zufälle zu nutzen. “Wie sonst konnte es zu Thunfisch mit Marzipan kommen?” Wir finden, das ist ein super Format für ein Teamevent, und wir wollen das unbedingt selbst ausprobieren.
Wir laden daher im Januar für ein gemeinsames Effectuation-Kochen/ Neujahrs-Essen mit uns ein. Am 15. Januar zwischen 18 und 22 Uhr in Hamburg. Du willst dabei sein? Dann schreib dich mit einer kleinen Mail hier in den Los-Topf! Wir freuen uns schon auf dich!
5. Joy Lottery: Mit Leichtigkeit geht alles besser
Bei diesem Warm-up geht es neben Kooperation um etwas, das uns ganz besonders am Herzen liegt: Freude und Lust als Gestaltungskriterium sichtbar machen. Bei dieser Übung beantworten Menschen zunächst einzeln die Frage: Was würde dir zusammen mit einer anderen Person in maximal vier Minuten jetzt echte Freude bereiten?
In Tandems nennen beide Personen ihren Vorschlag, wählen einen aus und setzen diesen um. Wie bei einem Energizer kommt auf diese Weise viel Freude, Heiterkeit und Leichtigkeit in die Gruppe. Und es fokussiert die Gruppe, auch mal auf die Lust zu achten und nicht immer nur auf das, was getan werden muss. Diese Übung wollen wir bei nächster Gelegenheit ausprobieren. Vielen Dank an dieser Stelle an Jay Reid fürs Aus-der-Ferne-Kooperieren durchs großherzige Teilen von Methoden.

1.
2.
3.
4.





