Hallo
„Mehr Zufälle kreieren“ – das ist unser Motto für das neue Jahr. Schließlich ist Glück Vorbereitung plus Zufall. Nachdem wir letztes Jahr viel an unserem Web-Auftritt geschraubt haben, suchen wir jetzt mehr Zufälle.
Und solche Zufälle entstehen auch durch Fortbildungen. Ende letzten Jahres haben wir uns in Sachen „Estuarine Mapping“ aufgeschlaut. Im März geht es mit dem „Target Operating Model“ bei Metaplan und “Soziodrama in der Organisationsentwicklung” weiter. Und auf der „Team Dynamics Konferenz“ von Otto sind wir ebenfalls. Lass uns gern wissen, wenn du auch da bist.
Eigentlich wollten wir im Januar zum Effectuation-Kochen einladen (s. High Five #49). Dann war die Projektlast unerwartet hoch. Obendrein bekamen wir eine Teambuilding-Anfrage für genau den ursprünglich geplanten Termin. Das Kochen fiel also leider aus. Zumindest dieses Kochen. Denn rund ums Teambuilding bahnten sich Zufälle ihren Weg. Wir liefen zufällig endlich mal wieder Terry Krug über den Weg, die in diesen Tagen ihr FUN in direkten Nachbarschaft zu uns eröffnet. Und so erwuchs eine Knaller-Veranstaltung, bei der 25 Menschen auf Basis von Effectuation aus den vorhandenen Zutaten in 3,5 Stunden ohne Vorgaben oder Anleitung ein Vier-Gänge-Menü erdachten, zubereiteten. Mit Warmups und Effectuation-Input vorab, und einem Reflexions-Dinner im Anschluss. So ein Effectuation-Kochen als Teambuilding-Event mit Terry und dem Fun Institute werden wir sicher wiederholen. Vielleicht auch mit dir? Die Fotos dieser Ausgabe geben ein paar Einblicke. Komm gerne auf uns zu, wenn du Fragen dazu hast.
In einem neuen Blogbeitrag zeigen wir einen Case für ein halbtägiges Großgruppen-Teambuilding, bei dem nur Papier, Stift und Stühle zum Einsatz kamen. Das 13-teilige Methoden-Feuerwerk findest du hier.
Wir basteln weiter an Zufällen, die noch nicht spruchreif sind. Schick doch einen wie auch immer gearteten Zufall in unsere Richtung. Mal sehen, was entsteht.
Jetzt viel Spaß mit fünf Inspirationen im 50. Newsletter. Yippie!
Dirk, Jörg & Valentin

1. Blind Zeichnen: Und sie können doch malen
Zu zeichnen, ohne dabei aufs Blatt zu sehen, ist eine künstlerische Technik, die die Aufmerksamkeit auf den Gegenstand und nicht das Kunstwerk richtet. Das führt zu intensiveren Beobachtungen und intuitiver Führung des Stifts. Die Technik hilft Künstler*innen z.B., das eigene Werk nicht kontinuierlich selbst zu bewerten. Immer entstehen dabei kreative Überraschungen.
Gegenseitiges, blindes Porträtieren ist ein beliebtes Warm-up in der Visual Facilitation. Es schafft Nähe, Leichtigkeit und Überraschungen. Wir nutzen es auch, um die Aufmerksamkeit weg von der überkritischen Selbstbewertung und hin zu den Themen des Tages zu lenken.
Zuletzt haben wir diese kleine Übung zu Beginn eines Jahres-Kickoffs mit einem Hybridteam genutzt. Zwei Tage vor dem Workshop war ein langjähriger Kollege überraschend lebensbedrohlich erkrankt. Nach einem anfänglichen Sharing zu aktuellen Gefühlen und ähnlichen Erfahrungen half das blinde Porträtieren, in ein gutes Arbeiten zu kommen.

2. Papierflieger-Fabrik: Verbesserungen und Vergnügen erleben
Spiele, die agile Arbeitsweisen simulieren, machen die Vorteile guter Zusammenarbeit, kleiner Schritte und zyklisch-iterativen Arbeitens erfahrbar. Teams werden schnell besser, reiben sich, haben Spaß und sind auch körperlich gefordert. Egal ob Teambuilding, Strategie-Offsite oder Großgruppen-Workshop – diese Spiele sind meist ein Highlight.
So ist es auch mit den Papierfliegern – so geht’s im Schnelldurchlauf: Je 5-7 Teilnehmer*innen bilden ein Team. Sie müssen in vier kurzen Sprints möglichst viele korrekte Papierflieger falten. Dafür bekommen sie pro Sprint zwei Minuten Zeit zum Planen und Schätzen. Dann folgt eine Bauzeit von zwei Minuten. Anschließend werden die Flieger abgenommen und gewertet. Der Sprint endet mit einer kurzen Rückschau auf die Zusammenarbeit. Diese Sprint-Kaskade (ca. 7-10 Minuten) wird vier Mal wiederholt.
Zwei Clous machen dieses agile Simulationsspiel besonders interessant:
-
Beim Bauen darf jede Person nur einmal falten und muss dann weitergeben. Das führt dazu, dass das Team jeden Flieger gemeinsam bauen und in kurzer Zeit ein gemeinsames Vorgehen entwickeln muss.
-
Bei der Abnahme müssen die Papierflieger eine Distanz von 3 Metern fliegen. Es reicht also nicht, möglichst viele “Flugzeuge” zu falten, ohne diese zu testen! In jedem Sprint gibt es also einen Moment der Wahrheit.
Spannend ist bei diesem und anderen agilen Simulationsspielen das Debriefing. Hier sammeln wir Beobachtungen, was gut bzw. schlecht lief und was sonst noch passiert ist. So hatten wir kürzlich ein Team, das immer wieder viele Flieger produzierte, die alle nicht flogen und daher keine Punkte bekamen. Sie steigerten in jeder Runde die Anzahl der Flieger. Nur leider flog in allen vier Runden keiner davon über die Ziellinie. Ein Schelm, wer jetzt fragt, was das Spiel mit Performance in der Organisation zu tun hat.
Es gibt viele Varianten des Spiels. Diese Version ist ziemlich praktisch, weil das Material hochverfügbar ist. Und wenn du es noch stärker in Richtung Prozessmapping und Wertstromanalyse nutzen willst, lohnt sich auch diese Variante.

3. Thirty-Circles-Challenge: den Kreativmuskel trainieren
Ein Tool wie ein Schweizer Taschenmesser: aufwandsarm, multifunktional und schnell. Du kannst die Thirty-Circle-Challenge als Warm-up einsetzen oder um Teilnehmer*innen auf eine Fokusphase einzustimmen, aber vor allem ist sie eine schöne Lernübung, wenn es um Ideen-Entwicklung und Innovationen geht.
So geht’s: Jede Person bekommt ein Blatt mit 30 Blanko-Kreisen und hat die Aufgabe, innerhalb von drei Minuten aus den Kreisen so viele wiedererkennbare Objekte zu malen wie möglich. Nach drei Minuten ist Schluss, es folgt ein kurzer Austausch mit der Nachbarin, dann eine Reflexion in großer Runde, meistens mit vielen Aha-Momenten. Wie viele Kreise hast du bearbeitet? Ging es dir um Quantität oder um Qualität? Hast du “nur” Variationen vom Gleichen gemacht (z.B. eine Uhr mit verschiedenen Zeiten, Emoji-Smileys mit verschiedenen Gesichtsausdrücken, verschiedene Arten von Bällen …), oder hast du grundverschiedene Sachen gezeichnet (Uhr, Keks, Ball, Planet, Bakterium, Zelle, Loch …)? Hast du immer nur “pro Kreis” gedacht, oder hast du mehrere Kreise miteinander verbunden (als Brille, Ampel, Schneemann, Rohr oder Fahrrad …)? An welche (impliziten) Regeln hast du dich während der Übung gehalten? Anschließend sind alle meist geistig angespitzt und sensibilisiert für die kommende Workshop-Phase.
Pro-Tipp: Wir nutzen meist ein Template, auf dem schon 30 Kreise vorgezeichnet sind. In der Reflexion ist das dann oft auch ein Thema. Denn solch eine Vorlage macht Vorgaben und setzt einen Rahmen, innerhalb dessen man kreativ sein kann. Wer genau mit dieser Logik brechen möchte oder das Tool spontan einsetzen möchte, teilt einfach nur ein blanko A4- Papier aus und lässt die Teilnehmer*innen die Kreise zu Beginn selbst malen.

4. Papierbrücke: Gemeinsam über den Abgrund
Jüngst haben wir für ein Netzwerk Hamburger Museen einen Projekt-Kick-Off moderiert, in dem es darum ging, möglichst gut in einen Arbeitsmodus zu kommen, um gemeinsam demenzsensible Angebote in den Museen zu etablieren bzw. zu optimieren. Die Ausgangslage: mit beschränkten Ressourcen schnell herausfinden, welche kleinen Maßnahmen helfen, um möglichst viel Wirkung zu erzeugen.
Als Mini-Intervention haben wir zu Beginn in kleinen Teams Papierbrücken gebaut. Zwei Stühle stehen im Abstand von ca. 50 cm auseinander, und die Aufgabe war: „Baut mit möglichst wenig A4-Blättern und ohne weitere Hilfsmittel in maximal 4 Minuten eine Papierbrücke zwischen diesen beiden Stühlen, die mindestens für 10 Sekunden das Gewicht von zwei Post-it-Blöcken trägt.“
Ähnlich wie bei anderen Spielen, die iteratives Arbeiten erlebbar machen sollen, geht es hier auch kaum ohne Testen zwischendurch. Legt man erst nach der Bauzeit zum ersten Mal einen Block auf die Brücke, ist ein Zusammenbruch sehr wahrscheinlich. Wer übrigens wissen möchte, wie das mit vier Blättern funktioniert, kann sich gerne bei uns melden. Wer weiß, wie das mit noch weniger Blättern klappt, sollte sich bitte auf jeden Fall melden.
Stichwort Nachhaltigkeit: Wir haben für diese Übung kein neues Papier verschwendet, sondern Fehldrucke und altes Schmierpapier benutzt, das ohnehin im Altpapier gelandet wäre.

5. Zusammen zeichnen: schnell viele Bilder gemeinsam erstellen
Zusammen zu gestalten bringt oft viele kleine Überraschungen mit sich. Denn jede Person fügt etwas Eigenes hinzu. Etwas Neues entsteht aus dem Wechselspiel der Beiträge. Emergenz pur.
Bei dieser kleinen Visual-Facilitation-Übung bekommt jede Person ein A4-Papier und einen Stift. In einer ersten Reflexionsrunde schreiben alle jeweils ein Wort, einen Titel oder Halbsatz auf ihr Blatt. Dann wird das Blatt im Uhrzeigersinn weitergegeben. Die nächste Person hat nun 30 Sekunden Zeit, rund um das Wort/Titel/Halbsatz etwas zu zeichnen. Dann wird das Blatt an die nächste Person weitergereicht, die wieder 30 Sekunden Zeit hat, etwas Kreatives beizutragen. Irgendwann kommt das Blatt mit ganz vielen Anreicherungen wieder bei der ersten Person an. Überraschungen und Irritationen sind vorprogrammiert. Der schöne Nebeneffekt: unterwegs nehmen alle wahr, welche Themen die anderen in der Gruppe gerade bewegen. Außerdem entstehen schöne Artefakte, die jede*r mit nach Hause nehmen kann.
Wir haben diese Übung hauptsächlich als Teil des Wrap-ups genutzt. Sie passt aber auch an den Anfang eines Workshops oder eignet sich, wenn die Gruppe mittendrin feststeckt.




