„Wir haben schon so einige namhafte Berater*innen verschlissen.“ So begann vor einigen Jahren die Zusammenarbeit mit einem krisengebeutelten Schwergewicht von Interessenverband.
Die Mitgliedsorganisationen als Gesellschafter des Verbands (Meta-Organisation!) hatten den Aufstand geprobt und auf hunderten Seiten Missstände benannt. Der erste Vorstand war stark angezählt, der zweite noch gar nicht offiziell im Amt. Unser Auftrag: die jährliche Klausurtagung moderieren und einen positiven Gestaltungswillen entstehen lassen. Eine schwierige Ausgangslage, und im Workshop knirschte es dann auch gewaltig.
Das war ein guter Moment, der Gruppe als Moderations-Tandem den Rücken zuzukehren und in einen Dialog einzusteigen, als sei niemand sonst im Raum. Unser Gespräch lief dann ungefähr so:
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“Puh, was, bitte, ist denn das hier gerade?”
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“Also ich bin jedenfalls etwas verärgert. Ich habe das Gefühl, dass die hier alle gerade eine Chance verpassen. Geht dir das auch so?”
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“Ah, danke, dass du das mit mir teilst. Ich war gerade unzufrieden mit unserer Moderation, suchte den Grund bei uns. Aber vielleicht hast du Recht und die Gruppe will gar nicht.”
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“Ob ich Recht habe, weiß ich nicht. Mein Eindruck ist allerdings, dass hier gerade alle dafür sorgen, dass bloß nichts vorangeht, dass bloß nichts erreicht werden soll. Statt mal etwas zu klären, wird eine Barrikade nach der nächsten errichtet.”
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“Jedenfalls so gar nicht die Stimmung für einen produktiven Workshop.”
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“Vielleicht fragen wir die Leute einfach mal, welche Chance sie hier gerade verpassen.”
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“Sehr gut, lass uns das machen.”
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“Jetzt direkt?“
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“Ja, jetzt!“
Wenn wir uns dann wieder umdrehen, ist die Aufmerksamkeit eine andere. Einige Personen fühlen sich entlarvt, andere sind mindestens verdattert. Es ist eine Intervention, die wahnsinnig gut sitzen kann, die aber gleichzeitig auch heute noch unseren Puls hochtreibt.






