Eines unserer Lieblings-Tools ist der “Deep Talk”. So nennen wir die Gesprächsrunden, die eigentlich keine Gesprächsrunden sind, sondern in Reihe geschaltete Monologe. Dabei bringen wir die Teilnehmer*innen in Trios (oder Quartette), in denen jede*r einen Monolog hält – zu einer möglichst offen gehaltenen Frage wie zum Beispiel “Wie geht es dir gerade?”
Als Zeitspanne für diese Monologe wählen wir meist und je nach Anlass und Agenda acht bis 15 Minuten. In dieser Zeit hören die anderen “nur” aktiv zu, kommentieren nicht und stellen keine Nachfragen.
Das größte Stöhnen ernten wir oft zu Beginn, weil viele sich nicht zutrauen, zehn Minuten am Stück zu sprechen. In der Reflexion ist diese methodisch leichtgewichtige Intervention meist ein Highlight. Weil Dinge geteilt wurden, die sonst nicht zutage kommen. Weil Beziehungen vertieft wurden. Weil viele sich fragen, warum sich sonst eigentlich nie jemand wirklich zuhört. Und auch weil einige merken, dass sie Probleme haben, sich solange auf eine Person zu fokussieren.
Das Schönste an dieser Methode ist für uns die Nachwirkung. Wenn wir Deep Talk recht früh in einem Workshop setzen, nehmen wir verlässlich wahr, dass die Gesprächskultur im weiteren Verlauf anders ist als sonst: wertschätzender und zuhörender.
Einen echten Unterschied macht beim Deep Talk das Setting. Wenn die Kleingruppe teils auf der Couch lümmelt oder wildwest in der Gegend herumspaziert, laufen die Gespräche anders, als wenn wir stattdessen akkurate Drei- oder Vierecke mit Stühlen aufstellen, die aufeinander ausgerichtet sind und fast schon zu nah beieinander stehen. Für uns steht fest: der physische Fokus verstärkt den Empathie-Motor.

Deep-Talk in der “Spiral-Variante”
Eine Abwandlung des Deep-Talk ist die „Spiral-Variante“. Sie funktioniert nach dem gleichen Grundprinzip, hier wird die Redezeit aber kleiner geschnitten und auf mehrere Runden verteilt.
Es gibt also auch hier eine Fragestellung wie “Wie geht es dir gerade?”, oder fokussierter: “Wie geht es dir gerade als Führungskraft?” oder “Wie geht es dir mit der laufenden Reorganisation?”
Vier Personen sitzen nun wie beim Deep Talk zusammen. Eine Person beginnt und monologisiert vier Minuten lang. Dann geht es reihum weiter, bis wieder Person eins an der Reihe ist und erneut vier Minuten spricht. Das geht so lange im Kreis weiter, bis jede Person drei Mal vier Minuten geredet hat.
Wir nennen diese Variation deswegen “Spirale”, weil die Monolog-Situation dreimal die Runde macht und dadurch nachfolgende Redner*innen immer Bezug nehmen können auf das, was vorher gesagt wurde. Die Stärke dieser Variante liegt darin, noch mehr verbindende Wirkung zu entfalten als der einmalige Monolog. Denn hier beziehen sich Aussagen aufeinander, Gedanken werden aufgenommen, weiter- oder in eine andere Richtung geführt – und es entspinnt sich so etwas wie ein stark verlangsamtes Gespräch.
Kennengelernt haben wir diese Variante durch Josef Merk als Format “Sprechen und Zuhören”.
Deep-Talk mit Zuhörer*innen-Rollen
Manchmal vergeben wir in den Kleingruppen Rollen. So kann es zum Beispiel sinnvoll sein, eine*n Zeitnehmer*in zu bestimmen und jemanden, der nach Ende der Redezeit eine wertschätzende Zusammenfassung des Gesagten teilt.
Die Arbeit mit Rollen lässt sich wunderbar erweitern, indem Zuhörende explizite Rollen füllen, die auf einzelne Aspekte des Monologs fokussieren und aus denen heraus sie anschließend wertschätzendes Feedback geben und ihre Wahrnehmung zurückspiegeln.
Spannende Rollen sind hier etwa “Ratio”, “Emotion” und “Entschlossenheit”.
Die Rolle „Ratio“ mit der Perspektive des Verstandes:
- Welche Fakten und Erkenntnisse gab es?
- Wo gab es Schwerpunkte? Wo Widersprüche?
- Wie habe ich das Gegenüber auf inhaltlicher Ebene wahrgenommen?
Die Rolle „Emotion“ mit der Perspektive des Mitgefühls:
- Wie hat sich dieser „Monolog“ angefühlt?
- Welche Emotionen habe ich wahrgenommen?
- Welche Stimmungen, Regungen, Gefühle sind hervorgetreten?
- Wie haben die Worte auf mich gewirkt?
Die Rolle „Mut & Entschlossenheit“ mit der Perspektive der Handlungsenergie:
- Wie habe ich die Energie gerade wahrgenommen?
- Wie viel Mut oder Entschlossenheit habe ich gespürt?
- Wie stark war der Wille zur Gestaltung?
In dieser Variante bestehen die “Deep Talk”-Gruppen aus vier Personen (drei Zuhörer’innen-Rollen plus Sprecher*in), und in jeder Runde wechseln die Rollen, sodass jede*r einmal jede Rolle übernehmen kann. Wenn du Erfahrungen mit anderen Zuhörer*innen-Rollen gemacht hast, freuen wir uns, davon zu lesen.






