Führung basiert auch darauf, Feedback zu geben und zu bekommen. Positives Feedback dient der Motivation von Mitarbeiter*innen. Ohne negatives Feedback verlottern die Strukturen. Häufig fällt Führungskräften eine Art leichter als die andere.
Vor einiger Zeit haben wir dazu an einer intensiven Großgruppen-Übung teilgenommen. Ca. 80 Führungskräfte der zweiten und dritten Ebene sitzen im Kreis. Drei Freiwillige werden rausgeschickt. Die Gruppe legt nun fest, was die erste Freiwillige gleich tun muss. Etwa eine bestimmte Tasche, die bei einer/m Teilnehmer*in steht, von Punkt A zu Punkt B bringen. Als Feedback für die Person dürfen sie nur laut “Buhhhhh“ rufen oder schweigen. Die Freiwillige wird nun hereingebeten und bekommt von der Moderation die sphärische Anweisung: „Die Gruppe will dir nun etwas beibringen.“
Mehr nicht. Kein weiteres Wort zur eigentlichen Aufgabe. Irritation. Unsicheres Umherschauen. Leichtes Vortasten. Das erste „Buhhhh“ kommt wie ein Schlag ins Gesicht. Nach einer Weile wird der Gegenstand gefunden, irgendwann zaghaft bewegt, schlussendlich wird die Aufgabe irgendwann gelöst (oder auch nicht). Zweite Runde: Eine neue Aufgabe wird festgelegt. Dieses Mal darf die Gruppe nur Klatschen oder Schweigen. Die Freiwillige bleibt stehen, wartet ab, nichts passiert. Das erste Klatschen ist eine Befreiung und Erleichterung. Und wieder wird die Aufgabe gelöst oder nicht. Dritte Runde, neue Aufgabe. Jetzt sind “Buhhhh” und Klatschen erlaubt wie beim Heiß/Kalt-Spiel auf dem Kindergeburtstag. Danke an Niels van Quaquebeke für die eindrucksvolle Demonstration.
Wir haben die Übung mittlerweile auch einige Male moderiert. Sie hat eine starke Wirkung und im Debriefing kommen aufgeladene, relevante Erkenntnisse über die gegenwärtige Führungskultur der Organisation und des eigenen Führungsverhaltens nach oben. Sie gehört aber auch ganz klar nicht zum Standard-Methodenkoffer – sie ist ziemlich brachial, unangenehm, fordernd und hart. Sie fordert somit auch viel Gruppen- und Fingerspitzengefühl.






