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Workshop-Tool: Sensing-Device

Workshop-Tool-Sensing-Device

Vorab zusammengefasst: In diesem Beitrag möchte ich Euch erzählen, warum ich das Sensing-Device als Workshop-Tool entwickelt habe und warum es als Meta-Werkzeug einen festen Platz in meinem Methodenkoffer gefunden hat. 

Ach könnte ich doch messen, wie es um die Stimmung steht

Der Workshop ist in vollem Gange. Die Teilnehmer diskutieren, teilen sich in Kleingruppen auf, kommen wieder zusammen. Die Köpfe rauchen. Nachdenkliche Blicke. Stirnfalten. Verschränkte Arme. Läuft es gerade noch in die richtige Richtung? Wie steht es um den Energie-Level? Wie um die Stimmung der Teilnehmer? Mal für Mal gab es für mich Situationen, in denen ich am liebsten kurz gewusst hätte, ob alle noch das Gefühl haben, dass der Workshop in die richtige Richtung führt. „Hey, seid ihr gerade alle noch an Bord?“ oder „Okay, ich habe das Gefühl, wir bräuchten mal eine Pause, ihr auch?“ sind so die Fragen, mit denen ich mir dann aus der Harmoniesuchtsnot heraus geholfen habe. Aber andererseits: Stelle ich diese Fragen wirklich immer im richtigen Moment? Wäre es nicht schön, dafür einfach ein Messgerät zu haben. Genau wie beim Niedertemperaturgaren eines schönen Bratens, wo ich mich auch nicht gern auf mein Gefühl, sondern lieber auf ein digitales Bratenthermometer verlasse? Ja, wäre es. Also habe ich mir so ein Messgerät gebaut.

Das Sensing-Device als Workshop-Tool

Meine Anforderungen an dieses Moderationswerkzeug waren sehr simpel: Einfach und ansprechend visualisert sollte es sein. Transportabel, flexibel, leicht zu bedienen und kostengünstig. Also, genau wie ein Thermometer. Hier ganz links im Bild ist das Sensing-Device in der allerersten Iteration, beim ersten Workshop-Einsatz vor einigen Monaten und noch unter dem Titel „Magic Temperature Sensing Device“:

Workshop-Tool-Sensing-Device

Der Aufbau dieses Workshop-Tools ist schlicht: Eine farbige Skala von unten (negativ, rot) nach oben (positiv, grün) und Stattys* – das sind fluffig zu verschiebende, elektrostatisch aufgeladene Moderationskarten –  auf denen die Namen der einzelnen Teilnehmer stehen und die so leicht auf dem Papier hin und her verschoben werden können.

Auch die Anwendung ist einfach. In einem kurzen Briefing zu Beginn rede ich über meine Harmoniesucht und die daraus resultierende Erfindung dieses Workshop-Tools. Ich bitte die Teilnehmer nachdrücklich darum, mir und sich selbst zu helfen, indem sie das Tool so emsig nutzen wie möglich.

Das Tool hat beim ersten Einsatz so gut funktioniert, dass es neben Standard-Meta-Workshop-Tools wie Agenda und Working-Agreements einen recht festen Platz an den Wänden meiner folgenden Workshop-Sets verdient hatte. Und noch etwas wurde beim ersten Mal klar: Das Tool kann nicht nur die Stimmung messen, es kann auch spontan genutzt werden, um Meinungstendenzen zu visualisieren, es kann Energie messen, körperlichen Zustand, Gesamtzufriedenheit der Teilnehmer und bestimmt noch Vieles mehr.

Workshop-Tool

Für den zweiten und alle bisher weiteren Einsätze habe ich das Tool noch mal mit etwas mehr Detailliebe auf eine Kapa-Platte** gemalt, um es knitterfrei über eine längere Zeit nutzen zu können.

Eine Grenze dieses Werkzeugs wird wohl allerdings schon beim Draufgucken offensichtlich: spätestens ab acht Workshopteilnehmern wird es unübersichtlich. Auch eine Beschränkung liegt auf der Hand: genau wie ein Fieberthermometer gibt dieses Workshop-Tool lediglich ein Signal. Sacken Teilnehmer plötzlich in den roten Bereich, weiß ich noch lange nicht warum. Ich habe lediglich einen Messwert erhalten, auf den es zu reagieren gilt. Gerade bei mehrtägiger oder wiederkehrender Zusammenarbeit ist dabei schön, wie Teilnehmer sich an das Sensing-Device gewöhnen und selbst dann mit dem Tool, mit ihren Kollegen interagieren, wenn ich es mal aus den Augen verliere.

Der Workshop ist im vollen Gange und der Diskussionsgegenstand gerade etwas zäh. Ein Teilnehmer, ohnehin schon länger im gelben Bereich, steht plötzlich auf, geht rüber an die Wand und schiebt seine Karte ins tiefe Rot.

„Hey, was ist los? Unzufrieden mit dem Verlauf?“
„Nein, nein. Ich merke nur, dass mir der gestrige Tag in den Knochen hängt.“
„Okay. Dann schreiben wir jetzt einfach auf deine Karte, dass du müde bist. Okay? Schieb dann deine Karte bitte mal dahin, wo du jetzt gerade in diesem Moment zum Inhalt stehst.“
„Ach so. Ja, klaro. Also da tendiere ich gerade zu grün.“

Genau in solchen Situationen hilft mir und den Teilnehmern dieses Workshop-Tool. Auch und gerade weil es so flexibel ist – wie in diesem Fall, wo von dort an einfach allen bewusst war, dass besagter Teilnehmer nicht unzufrieden, sondern einfach nur müde ist.

Wenn ihr das Werkzeug selbst mal ausprobieren möchtet, freue ich mich über Schnappschüsse davon und über Erfahrungsberichte. Zeit den Ball zu Euch zu schlenzen: Wie geht ihr mit Stimmungsschwankungen und Feedback-Loops in laufenden Workshops um?

Dieses Workshop-Tool in Stichpunkten und zum Nachbau:

  • Funktion: Einfache Stimmungsmessung
  • Teilnehmerzahl: 4 bis 8
  • Produktionsaufwand: gering
  • Verwendetes Material: 70x100cm Papierbogen oder Kapa-Board**, farbige Marker, Stattys* (würde freilich auch mit Post-Its gehen, würde die Bedienung aber sehr viel frickeliger machen).

 

*falls ihr Stattys noch nicht kennt, guckt sie euch mal an. Das sind großartige, elektrostatisch aufgeladene Moderationskarten aus Polypropylen. Sie können auf den meisten Untergründen flott hin und her geschoben werden. Einzige Nachteile dieser Karten: sie sind manchmal etwas friemelig und im Gegensatz zu nachhaltigen Papierkollegen sind sie aus Rohstoffen, die nicht nachwachsen.

**Kapa-Platten im Format 100x70cm haben mehr oder weniger Flipchart-Größe. Sie sind extrem gut zu bemalen, halbwegs stabil und vor allem sehr leicht.  Ich nehme sie besonders dann gerne mit zu Workshops, wenn ich nicht genau weiß, wie viel ebene Wandfläche, Flipcharts und Moderationswände zur Verfügung stehen werden oder ich Templates wie im Falle dieses Workshop-Tools mehrmals nutzen möchte. Packe ich den großen Workshop-Tool-Koffer unter den Arm, bekomme ich darin bequem  bis zu 10 Kapa-Boards von A nach B. 

 

 

Valentin Heyde

Valentin Heyde

Als Berater und Moderator arbeitet Valentin an der Schnittstelle von Kommunikation, Strategie und Innovation. Mit Heyde Ventures berät er Mittelständler, Konzerne, Startups und Einzelpersonen wie CEOs oder Stifter. Berufstätig seit 1997, arbeitete er fünf Jahre als freiberuflicher Journalist für das FOCUS Magazin, produzierte Web-TV-Shows für AOL Deutschland und wechselte 2003 dann in die PR- und strategische Kommunikationsberatung. Gute Geschichten und Storytelling sind ihm ein Herzensthema, das er unter anderem als Dozent an der Hamburger Akademie für Publizistik weiter gibt. Valentin Heyde ist Diplom-Politologe, Fotograf und Mitgründer von kleinerdrei. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Hamburg.

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Als Berater und Moderator arbeitet Valentin Heyde an der Schnittstelle von Kommunikation, Strategie und Innovation. Mit Heyde Ventures berät er Mittelständler, Konzerne, Startups und Einzelpersonen wie CEOs oder Stifter. Berufstätig seit 1997, arbeitete er fünf Jahre als freiberuflicher Journalist für das FOCUS Magazin, produzierte Web-TV-Shows für AOL Deutschland und wechselte 2003 dann in die PR- und strategische Kommunikationsberatung. Gute Geschichten und Storytelling sind ihm ein Herzensthema, das er unter anderem als Dozent an der Hamburger Akademie für Publizistik weiter gibt. Valentin Heyde ist Diplom-Politologe, Fotograf und Mitgründer von kleinerdrei. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Hamburg. www.valentinheyde.de Kontakt auf Xing