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7 Fragen an: Christoph Nahrholdt, Metaplan

Christoph Nahrholdt

Christoph Nahrholdt ist Leiter der Metaplan Academy. Metaplan, genau: die Quickborner Organisationsberater, die mit den Stellwänden und braunen Postern herumhantieren und alles auf Moderationskarten festhalten. Die Metaplan Academy bietet Fortbildungsprogramme für Unternehmer, Managerinnen und Berater rund um die Themen Organisationsverständnis und Führungskompetenz, Moderation und Diskursführung. Wer sich für ein Programm anmeldet (wie Jörg und ich es beim Qualifizierungsprogramm „Führen und Beraten im Diskurs“ gemacht haben), bekommt es mit Christoph zu tun. Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Telefonat mit ihm. Weil uns seitdem ein freundschaftliches Verhältnis verbindet, und weil Christoph in seiner Funktion unglaublich viel Erfahrung mit Moderation hat, haben wir ihm unsere sieben Fragen gestellt.

1. Stelle Dich und Deine Arbeit bitte kurz vor

Ausgebildet in Wirtschafts- und Europawissenschaften, geprägt durch diverse Stationen im Medienkonzern Bertelsmann, bin ich seit 2007 Senior Berater/ Moderator bei Metaplan und leite dort die ‚Leadership & Organization Academy‘. Wir vermitteln offene Trainingsprogramme zu Interaktions- und Moderationstechniken (aka ‚Metaplan-Methode‘) und Qualifizierungsprogramme für erfahrene Führungskräfte/Berater*innen (aka ‚Führen im Beraten im Diskurs‘). Darüber hinaus liegt mein Schwerpunkt in der Entwicklung von unternehmensspezifischen Programmen für die integrierte Management- und Organisationsentwicklung (aka ‚Organizational Leadership Program). Bestandteile dieser Programme sind auch Managementkonferenzen, auf denen sich unterschiedliche Hierarchieeben über Erkenntnisse und Vorschläge zur eigenen Organisationsentwicklung/ Strategiefindung verständigen müssen.

2. Wann wirst Du als Moderator hinzugezogen?

Eigentlich immer dann, wenn es eine Verständigung von Stakeholdern geben muss, die nicht vorausgesetzt oder gar vorgeschrieben werden kann. Unterschiedliche Meinungen und Interessen sind vorprogrammiert und treffen verborgen oder sehr offensichtlich aufeinander. Dazu passen eine Fülle von Anlässen und Indikationen.

Häufig will/muss ein Aufttraggeber in selber Partei sein und die eigenen Interessen vertreten können. Dann holt er den Moderator, um von der Prozessführung entlastet zu werden. Und um Themen, die ihm wichtig sind, die er aber nicht direkt platzieren kann, statt dessen über den Moderator/ Verständigungsprozess zu spielen – also quasi über Bande.

Zusätzlich dann, wenn es gilt, die Komplexität eines Themas überhaupt erst herauszuarbeiten, in dem mehrere Perspektiven auf die Sache ans Licht ‚gezerrt‘ und besprochen werden. Oder wenn es im Anschluß darum geht, eine schon vorhandene Komplexität wieder handhabbar zu machen und zu pointierten Entscheidungen zu kommen.

3. Dein schönstes Moderations-Erlebnis?

Ein Burgfrieden, der nach langen, zunehmend destruktiven ‚Vorkämpfen‘ in einem Workshop geschlossen werden konnte. Und danach auch eingehalten wurde.

4. Worauf achtest Du bei einem Moderationsauftrag ganz besonders?

Auf die Intentionen meines Auftraggebers und das, was in der Organisation vor sich geht. Grundsätzlich werde ich nicht zu ‚basisdemokratischen‘ Aussprachen gerufen oder zur allgemeinen ‚Konsensfindung‘ hinzugezogen, sondern um vor der organisationalen Landkarte mit den Konfliktparteien/ Kooperationspartnern einen Weg zu erarbeiten, der die geltenden Verhältnisse berücksichtigt, vor allem die verborgenen Interessen der Stakeholder und ihre jeweiligen Machtmöglichkeiten, etwas zu gewähren oder etwas zu verhindern. Da viel auf dem Spiel steht, wird besonders hart um die Interessen gerungen. Es braucht daher eine hochsensible Haltung, die Positionen der einzelnen genau zu verstehen und aufeinander zu zu führen, und sei es, dass die Grenzen der Kooperation besser herausgearbeitet werden.

5. Was ist Deine Lieblings- oder Traum-Location für gemeinsames Arbeiten?

Überhaupt: Der Metaplan Campus in Quickborn.

In Hamburg: Die Sturmfreie Bude im Alsterhochhaus

Derzeitiger Favorit: Der Golf Club Saint-Cloud in Paris, wo sonst Staatspräsidenten golfen, derweil ihre Gattinnen Bridge spielen. Über einen informellen Kontakt durften wird die Salons als Seminarräume bespielen mit Blick über ein grünes Paradies und … den Eiffelturm. Beim Mittagessen wird ungefragt Weiß- und Rotwein mit angeboten. Erst wenn die teutonischen, sittenstrengen Moderatoren intervenieren, wird umgeschwenkt auf Cola und Coke Zero (ein Gewinn für das nachmittägliche Bewusstsein, ein herber Verlust für die westliche Kultur).

6. Was darf in Deinem echten, virtuellen oder mentalen „Moderationskoffer“ nicht fehlen?

Klassisch: Die Schere

Digital: Die Funktion in Visio, innerhalb einer Datei mehrere Fenster nebeneinander aufzumachen

Mental: Geheimgänge, Aufzüge, Falltüren, Feuerleitern, Fluchtwege, Abkürzungen, Brückenpfeiler … kennen oder antizipieren

7. Woher holst Du Dir Inspirationen für neue Tools, Spielchen, …?

„Nicht nur die Durstigen suchen das Wasser, auch das Wasser sucht die Durstigen“.

Da ich mich in punkto regulärer Arbeit fast immer in einer brisanten Aufholjagd befinde, bin ich froh, dass mich kluge, wohlmeinende und deutlich stöberaffinere Köpfe auf so etwas hinweisen.

 

Dirk Bathen

Dirk Bathen

Soziologe, Autor und Universaldilettant mit über 40 Jahren Lebens- und knapp 15 Jahren Berufserfahrung. Als selbstständiger Strategie- und Innovationsberater hilft er Unternehmen und Führungskräften seit 2012, Klarheit über Zukunftsfragen zu erlangen. Vorher war der Vater dreier Töchter Geschäftsführer im Hamburger Trendbüro und in der Marktforschung und Markenberatung tätig. Nebenbei schwärzt er alte Zeitungsartikel und veröffentlicht „Blackouts“ sowie zentrale Randnotizen und bunte Strohhalme zur Weltbewältigung auf seinem Blog mentalreserven.de.

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